"Du hast ja eine schöne Wohnung...."


  

 

Bevor ich unsere Geschichte nach meinen täglichen Protokollen weiter erzähle, möchte ich noch auf zwei andere Gegebenheiten aufmerksam machen. 

Einmal auf einen Podcast von Verena König, der mich JETZT wieder irgendwie erreicht hat und über die Symptomatik von ME CFS im Zusammenhang, was Homer und ich alles geleistet haben in den letzten Jahren..

In dem Podcast von Verena König geht es um  "traumbedingte Konfliktdynamiken": 

 


 

 

"Gefangen im Streit" - so heisst der Podcast.

Ich fand den darum bemerkenswert, weil ich,

a.) in jeder - im JETZT nach Homers Tod, angefangenen Kontakten - Beziehungen - Freundschaften oder wie immer man das nennen konnte - diese Konfliktmuster wieder erkannt habe. Genauso ist es mit jeder Person abgelaufen, wo ich mich drauf eingelassen habe und die auf mich.

Kontakte wurden abgebrochen - es ging nirgends weiter, weil Klärungen NICHT möglich waren. Das habe ich teilweise versucht, teilweise die anderen, immer mit einer gewaltigen Vehemens wie Verena König es in ihrem Podcast vermittelt.

Das mit der Objektkonstanz funktionierte bei mir nicht mehr bei diesen "neuen" Menschen in meinem Leben ohne Homer. Oder war bei meinen Kontakten nicht vorhanden. Mutmaßlich sind das auch traumatisierte Leute ...

Die Löwefrau, die Frau aus Ungarn, der Messie, der Cousin und zuletzt die Spargelfrau........da schreibe ich überall noch was zu.

Es fällt mir schwer mich auf jemanden näher einzulassen. Manchmal bekomme ich Kontaktangebote, aber ich habe Angst. Ich kann mich nicht verbiegen und so wie ich JETZT bin, werde ich irgendwann nicht mehr  akzeptiert, habe ich die Erfahrung gemacht.

b.) Bei dem Podcast von Verena König stelle ich zudem JETZT fest, dass es so eine Konfliktdynamik bei mir vor Homers Tod nicht gab. Mit niemanden.

Homer und ich hatten ja, so was wie einen Vertag am Anfang der Beziehung gemacht, nach unserem ersten Streit.(Streitpunkte).

Homer hatte traumatische Erfahrungen in Beziehungen mit Menschen und auch in seiner Kindheit mit seinen Eltern gemacht. Darum wäre fast so eine Konfliktdynamik entstanden. Das war auch der Grund, warum wir  diese Vereinbarungen trafen - mit den festen Telefonterminen jeden Tag und festen Treffzeiten - egal, ob wir grade in einer Auseinandersetzung waren oder nicht.

Denn konfliktscheu waren wir beide nicht.

Wie ich in dem Beitrag Streitpunkte beschrieb, gab es nur drei ernsthafte Auseinandersetzungen zwischen Homer und mir in den 16 Jahren. Alles andere waren lebhafte Diskussionen, wo wir es liebten zu argumentieren - das war nie böse oder wütend - das war Genuss...

Und wenn wir müde waren oder einer nicht mehr konnte, dann hörten wir auf und vertagten die Diskussion.

Deswegen, in der Hinsicht war Homers Leben stabil und es war niemals so, dass wir wegen - auch nicht bei den ernsthaften Auseinandersetzungen  - Angst hatten, den anderen zu verlieren.

Das ist ein ganz wichtiger Punkt - der auch gegen einen Suizid spricht.

Denn, ich kann mir vorstellen, dass man dunkle Gedanken bekommt, wenn man ständig Angst hat den anderen zu verlieren, der alles für einen ist, bei jeder kleinen Auseinandersetzung oder Konflikt.

Ich bin so aufgewachsen, dass man ruhig mal "ausrasten" dürfte, ohne, dass jeglicher Kontakt abgebrochen wurde. Das war bei uns ganz normal.

Die Trulla hat mutmaßlich jedem der es wissen wollte oder nicht, mit großer Sicherheit Mails von mir an meinem Vater weiter geschickt, wo wir uns mal gezofft hatten. Nur, mein Vater konnte auch gut austeilen, wenn er wütend war. 

Die Trulla hat nur die "eine Seite der Geschichte"  überall herum geschickt....und hat MICH dämonisiert.  

Aber wie ich schon beschrieb, bei Konflikten stritten wir in unserer  Familie und nach einer Stunde war alles wieder gut, auch wenn wir weiterhin unterschiedlicher Meinung waren.

Wir kannten das nicht anders. Homer war erst vorsichtig .....dann lernte er, er konnte auch losbollern....ohne bestraft zu werden von meiner Familie.

Ja, wir hatten die Objektkonstanz, die mir JETZT bei Menschen fehlt.

Früher hatte ich nur Angst, dass von mir geliebte Menschen und Tiere sterben. Aber Angst, Menschen durch Konflikte zu verlieren, hatte ich in der Vergangenheit nicht.

Aber JETZT habe ich solche Ängste natürlich - Verlustängste, bei Konflikten und ich reagiere dann mit  Abwehr...zumal das ja gleich bei der ersten Person, die mir nah war, nach Homers Tod genau so passiert ist ....bei der Löwefrau. Bei dem ersten Konflikt, wurde ich fallen gelassen.

Ein halbes Jahr später hatte ich das mit der Frau aus Ungarn.....die gleiche Szene.

Usw...... 

Von daher kam der Podcast als Zeichen......grade jetzt, um Weihnachten, wo ich mich einsam fühlen könnte. 

Mir darüber bewusst zu werden, dass ich JETZT lieber allein, in weltlichen Zusammenhängen lebe, als mit Angst vor der schmerzhaften Einsamkeit, nach einem Zusammensein mit einem Menschen, der mich bei einem Konflikt verlassen, würde.  

Zudem sind Freundschaften - auch Virtuelle - mit ME/ CFS und traumabedingten Verlustängsten -  einfach schwierig, weil man dem anderen eventuell nicht genügt, was wiederum zu Konflikten führt und Verlassenwerden.....

Womit ich bei dem zweiten Punkt bin, den ich - bevor ich unsere Geschichte weiter erzähle - aufführen will.

Das Thema: ME / CFS = Abkürzung für: Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom. Es handelt sich dabei um eine neuroimmunlogische Erkrankung oder manche sprechen auch von einer Autonomieerkrankung, wobei sich die Definitionen überschneiden....

Hier sind die Symptome einmal genau aufgelistet:

 


 Quelle: Deutsche Gesellschaft für ME/CFS

 

Ich hatte diese Erkrankung schon in meinem Beitrag "Jenseits Kontakte" erwähnt. Ich bin JETZT ständig auf dieses Thema gestossen und habe mich irgendwann ganz bewusst damit beschäftigt, habe Homer und mich in diesem Symptomen und auch in Erzählungen von Betroffenen, wie in dem Podcast von Molly und Chrizzo "Teepause - unser Leben mit ME/CFS"   wieder erkannt.

Die PEM - diese zeitverzögerte völlige Erschöpfung nach für uns stressig erlebten Ereignissen - Müdigkeit, trotz Ausgeruhtheit .......Schlafstörungen sowieso....und einen anderen Tag/Nacht Rythmus hatten wir beide...Wir haben oft die Nächte durchgemacht. Es ging/geht uns nachts besser als tagsüber. Schmerzen......ja. Homer hatte das mit dem Schwindel, Herzrasen und Atemnot öfters...Darm- Blasenstörungen beide... Brain Fog....Ja...besonders in Situationen, wo wir großen Reizen ausgesetzt waren/sind....wie Geräusche, Helligkeit, Menschenmassen. Ebenso das mit der gestörten Körpertemperatur....ich sitze auch im Sommer bei 30° hier mit der Wärmflasche oder schlafe damit, weil ich kalte Hände habe. Homer konnte sich kaum an Wetteränderungen anpassen.....mit seinem Temperaturempfinden. Halsschmerzen bei Belastungen.....und Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten hatten/haben wir ohne Ende...Was hatten wir alles experimentiert mit Essen und besonderen Diäten.... 

Ärzte haben uns nie geholfen. Bei Homer war es "Psyche". Bei mir dazu noch Fibromyalgie...Ja, wir haben Unmengen von Nahrungsergänzungsmittel genommen. Mache ich immer noch, um überhaupt zu funktionieren.  Auf eigene Kosten.

Ich werde über diese Erkrankung an sich und warum die jetzt plötzlich solche Aufmerksamkeit bekommt in den Medien, etwas in meinem Weltbeobachtungblog demnächst schreiben. Denn diese Erkrankung gab' es ja schon immer. 

Hier werde ich mich darauf beschränken - alles was ich weiter berichte mit dieser ME/CFS- Brille zu betrachten.

Was WIR - Homer und ich - trotz dieser Befindlichkeiten alles geleistet haben, die letzten Jahre......

 


 

Ja, wir waren oft am Limit mit unseren Kräften. 

Ich liebe diesen Mann so unendlich. Dass er das, mit mir und meiner Familie alles mitgetragen hat - damals..........

Er gehörte zu uns.....wobei es mir JETZT so leid tut, dass er damit oder wir Lebenskraft verpulvert haben, die wir für uns gebraucht hätten - später.. 

Ohne unser Auto hätten wir das, was nach dem Tod meines Vaters alles passierte  NIE geschafft. So, war immer das Auto da. Homer liebte es Auto zu fahren - das war ein Anreiz.......auch wenn wir noch so erschöpft waren.

Im Sommer kühlte es uns mit der Klimaanlage  und im Winter war es mit der Sitzheizung wunderbar und wir kamen von einem Ort zum anderen - ohne mit anderen Menschen - "Menschenpulk", wie wir es immer nannten - in Berührung zu kommen.

Diese Jahre mit dem Auto waren ein Segen. Wenn man eins hat, sieht man es als  Selbstverständlichkeit an. Das taten wir nie.......

Darum sei allen "Umwelt-Grün-Freaks", die ständig predigen, die Menschen sollen mit "Öffis" fahren gesagt sein,.......das ist gar nicht möglich für ältere oder kranke Menschen. Ein Auto ist das A und O für ein gutes selbstbestimmtes Leben im Alter oder auch wenn man krank ist.

Wenn die "Grün-links-Umweltfreaks" Autos abschaffen wollen, dann müssen sie für UNS auch kostenlose Sterbehilfe ohne Hürden anbieten. 

Denn ich komme JETZT allein und ohne Auto kaum klar....das ist mal Fakt. 

Auch für Homer und mich wurde vieles unmöglich ohne unseren "Donald" ab 2020... denn das Leihauto war teuer und nicht sofort verfügbar, wenn wir es brauchten....

Aber im Winter 2017 hatten wir unseren sicheren wunderbaren Volvo noch.....

Mein Vater starb am 05. Januar 2017 nachdem er meine Mutter wegen der "Trulla" verlassen hatte. (Nachzulesen hier: "Grenzüberschreitungen - Eskalationen - Verletzungen und Verluste" und "Versöhnung - Krebs - Tod") .) Seine Beerdigung war am 25. Januar 2017, die auch nicht ohne vorherige  Probleme abgelaufen war. (Hier: "Papas Beerdigung").

Homer "crashte" gleich nach der Beerdigung am nächsten Tag. Er bekam klirrende Halsschmerzen, Schnupfen und Fieber. Und für ihn war Bettruhe angesagt.

Meine Mutter und ich allerdings kamen die Tage danach nicht zur Ruhe. 

Denn die Trulla hatte mit einer Girokarte vom Konto meiner Mutter, die sie wohl bei meinen Vater gefunden hatte, versucht Geld von diesem Konto abzuheben.

Meine Mutter hatte die damals, als das mit der Trulla losging, (siehe "Gangstalking - Intrigen - Lügen")  gesperrt. Ein Mitarbeiter von dieser Bank informierte meine Mutter trotzdem darüber, dass ein Versuch an einem Geldautomaten in Walsrode... stattgefunden hatte. 

Das regte meine Mutter natürlich sehr auf. 

Sie hatte zudem nicht nur ein Konto. Es gab  das Beerdigungskonto meiner Eltern, wozu mein Vater Zugang hatte und wo es auch eine Girokarte für gab.

Das mussten wir nun alles regeln und waren die Tage nach der Beerdigung damit beschäftigt, das alles zu sperren - aufzulösen, so dass die Trulla  sich da nicht noch Zugriff verschaffen konnte.

Zudem hatte meine Mutter ihr Telefon wieder auf laut gestellt, d.h. sie war für unsere Feinde wieder erreichbar und meine Tante setze ihr wohl sehr zu. 

G. erzählte mir, dass meine Mutter ständig rumstritt am Telefon. Immer wenn er kam, traf er meine Mutter am Telefon an und das waren keine netten Gespräche....

Am Samstag, den 28.01.2017 "crashte" meine Mutter zusammen.

Ich war total erschöpft und dachte ich hätte einen ruhigen Tag, bei mir zuhause... 

Homer lag im Bett - den hatte ich vormittags verarztet und für ihn eingekauft.

Nachmittags hatte ich mich hingelegt und wollte den Tag ruhig ausklingen lassen. Bisher hatte ich mich nicht angesteckt, aber ich fühlte mich schlapp und trotzdem unruhig.....

Und das zu recht. 

Denn abends um 23.30 Uhr rief G. an, meine Mutter würde ganz schlecht Luft bekommen und klagte über Schmerzen in der Brust. Sie wollte aber nicht den Notarzt rufen, ob ich kommen könnte.

Ich sagte, er sollte den Notruf drücken - meine Mutter hatte ja so einen Knopf. Ich würde gleich kommen.

Das machte G. auch. 

Ich rief mir ein Taxi - ich wollte Homer nicht stören. Wir hatten schon telefoniert und uns "Gute Nacht" gesagt - wobei er darüber später sehr mit mir schimpfte......dass ich ihn nicht angerufen hatte.

Als ich bei meiner Mutter ankam, wurde sie grade in den Krankenwagen getragen. Sie wollte das nicht und rief immer: "Das ist das Ende....nein"...

G. stand erstarrt daneben. 

Er hatte seine Ehe-Frau auf ähnliche Art verloren ein paar Jahre vorher.

G. und ich wollten dann mitfahren, dürften es aber nicht. 

Mein Taxi war noch da und so fuhren wir damit hinter dem Krankenwagen her. 

Es war so schrecklich in dem Krankenhaus. Es kam uns Ewigkeiten vor, bis sich Ärzte um meine Mutter kümmerten. Obwohl die schnell zu uns kamen.

Sie schrie immer wieder "Hilfe", weil sie keine Luft bekam. Und dann wieder.

"Das ist das Ende....und ich will das alles nicht"....

Weder G. noch ich konnten sie beruhigen.

Die Ärzte gaben ihr dann etwas, worauf sie sofort einschlief.

G. und ich zitterten - wir standen  unter Schock. 

G. hatte auch meinen Bruder angerufen, der sich jetzt auf meinem Handy meldete.

Das war ein Segen, denn er behielt einen klaren Kopf und sagte uns aus der Entfernung mit ruhiger Stimme, was wir jetzt machen sollten. 

Nämlich zum Taxistand gehen und nachhause - zumindest zu G. nachhause zu fahren und ich zu Muttis Wohnung, wo ich ihr das Nötigste einpacken und es ins Krankenhaus bringen sollte.

Es war mittlerweile fast 1.00 Uhr nachts.

Ich nahm G.s' Arm und wir machten das genau so. 

Ich brachte ihn in seine Wohnung. Vergewisserte mich, dass es ihm einigermaßen gut ging. Er trank erst einmal einen Schnaps. Dann wurde er ruhiger und zitterte  nicht mehr.

Wir verabredeten uns, uns sofort zu melden, wenn sich etwas änderte.

Ich packte Muttis Reisetasche zusammen - mit ihrem Nachthemd und einem Hausanzug, teure Comfort-Schuhe Hausschuhe, wo sie guten Halt drin hatte, dann versuchte ich vergeblich ein Taxi zu bekommen. 

Ich schaute auf die Uhr. Es war mittlerweile 2.30 Uhr.......Mutti hatte einen Fahrplan und ich sah, dass um 2.45 Uhr noch ein Bus zum Krankenhaus fuhr. Ich raffte alles zusammen und rannte fast zur Bushaltestelle, die etwas entfernt von Muttis Wohnung lag.

Ich sah' nur noch die Rücklichter des Scheiss-Busses.......

Kein Taxi weit und breit und unter der Nummer meldete sich niemand.

Also, ging ich zu Fuss......ich brauchte fast eine Stunde mit der schweren Tasche.

Völlig entkräftet und voller Angst kam ich im Krankenhaus an.   

Ich fand meine Mutter noch in der Notaufnahme in einem Zimmer, wo sie an etliche Apparate angeschlossen war und schlief. 

Die Schwester sagte, die Sachen, könnte meine Mutter nicht gebrauchen, die ich mit gebracht hatte. Sie käme später auf die Intensivstation. Sie wäre aber jetzt stabil.

Ich sank auf den Stuhl neben dem Bett. Die Schwester ging aus den Raum.

Jetzt brach alles über mich zusammen. Ich sah' meine Mutter da liegen.....die ganze Szene von vorher, wie sie so geschrien hatte, lief vor meinen Augen ab und ich fühle mich "MUTTERSEELENALLEIN"........im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich fing wieder an zu zittern und musste weinen.

Die Schwester fragte mich, ob sie mir irgendwie helfen könnte.

Ich sagte, dass ich  die Patientenverfügung meiner Mutter dabei hätte. Das fand sie gut und sagte, dass ich die gleich dem diensthabenden Arzt geben könnte.

Das machte ich. Der beruhigte mich auch und meinte, meine Mutter hätte aufgrund eines kleinen Herzinfarktes Wasser in der Lunge. Sie könnte einen Herzschrittmacher bekommen oder eine neue Klappe, da es da wohl eine Insuffiziens gab. 

Aber dann sah er sich die Patientenverfügung an und da hatte meine Mutter das ja alles untersagt.

Er meinte, sie könnten sie auch gut mit Medikamenten einstellen. Ich sollte mich nachmittags noch einmal bei ihm melden.

Ich ging langsam aus dem Krankenhaus - mittlerweile war es fast 4.30 Uhr. 

Am Taxistand, stand kein einziger Wagen. Auch der Pförtner konnte keinen Wagen rufen, bzw. kam nicht durch. In Hannover war in der Nacht irgendeine größere Veranstaltung.

So sass ich auf der Bank vor dem Krankenhaus und wieder überkam mich das Grauen....und ich dachte, ich rufe jetzt Homer an.

Der war ganz verschlafen und dann schimpfte er mit mir. Dass ich ihn nicht gleich angerufen hätte. Egal, ob er krank war oder nicht. Er würde sich jetzt anziehen und gleich kommen. Er hätte auch kein Fieber mehr.

20 Minuten später fuhr unser blauer Volvo auf den Parkplatz. Und ich sank nur noch in Homers Arme. Er schimpfte immer noch.

Er wollte auch meine Mutter sehen und auf die Apparate gucken. Das taten wir. 

In so einem Krankenhaus kann man nachts ein und aus gehen....das überprüft kein Mensch.

Auf jeden Fall, bestätigte Homer auch, dass meine Mutter stabil war. Der Blutdruck und Puls normal waren.   

Zuhause bei mir, gab mir Homer erst einmal ein Beruhigungsmittel, da ich immer wieder anfing zu zittern. Ich musste ihm versprechen, ihn in Zukunft wirklich immer anzurufen, wenn ich meine Wohnung verliess und besonders bei solchen Katastrophen...

Er blieb bei mir, mittlerweile hatte er starken Husten bekommen.

Mein Hals fing an zu schmerzen und als wir wach wurden, war ich auch voll "gecrasht".

Bei mir ging es sofort los mit dem Husten. Coronaviren gab' es 2017 auch schon und lt. Dr. Wolfgang Wodarg sind das die Viren, die immer den Husten verursachen bei einer Grippe......

Trockener Reizhusten und später dann mit Auswurf.

Homer und ich waren noch auf der Stufe trockener Reizhusten. Darum nahmen wir beide gegen nachmittag Hustenblocker in Form von Codeintropfen.

Homer ging es besser als mir und er hatte alles besorgt - Rezept - Apotheke und Schutzmasken....die gab' es 2017 auch schon. Weil wir wollten ja wieder ins Krankenhaus zu meiner Mutter.

Mein Bruder wollte uns nach seiner Arbeit abholen, da wir mit den Codeintropfen kein Auto fahren dürften.

Ja, mein Bruder war voll fit. Er hatte auch keine Angst vor Ansteckung und nach 8 Stunden Arbeit kam er zu uns, nahm uns in den Arm und wir fuhren - nicht ohne dass wir G. noch abgeholt hatten - ins Krankenhaus.

Meine Mutter lag mittlerweile auf der Intensivstation.

Wir dürften natürlich nicht alle auf einmal zu ihr, sondern nur einzeln.

Dass Homer und ich Grippe hatten, interessierte niemanden 2017. Wir setzten unsere Masken auf und keiner hinderte uns, meine Mutter auf einer Intensivstation zu besuchen.

Meine Mutter ging es den Umständen entsprechend. Sie bekam wieder Luft, hatte aber einen Blasenkatheder bekommen, der ihr Schmerzen bereitete und sie meinte sie hätte dadurch eine Blasenentzündung bekommen.

Das sagten wir der Ärtzin, die wie auch in der Notaufnahme in der Nacht, sich Zeit nahm und mit uns auf Augenhöhe sprach. Was für dieses Krankenhaus spricht.

Sie sagte, dass meine Mutter so weit stabil wäre und der Katheder zum Abend entfernt würde. Zudem könnte meine Mutter dann auch auf die normale Station.

Sie würde wegen der Blasenentzündung ein Antibiotikum erhalten - aber der Katheder musste gelegt werden, weil sie ja Entwässerungsmittel erhalten hatte und zu schwach war, um selbst auf's Klo zu gehen.

Weiterhin informierte mich die Ärztin darüber, dass meine Mutter ein leichtes Psychopharmaka zur Beruhigung erhalten hätte, wo sie der Meinung wäre, das würde meiner Mutter auch dauerhaft gut tun. Aber in ihrer Patientenverfügung, hatte sie das ja untersagt...

Ich sah' es mir an. Es war ein leichtes Antidepressivum - so was ähnliches, wie ich und damals auch Homer nahm. Und das tat uns gut. 

Da ich die Gesundheitsvollmacht hatte für meine Mutter, sagte ich erst einmal "ja"....aber ich würde das mit ihr genau besprechen und wir würden sehen, ob sie das als guttuend empfand oder nicht.

Zuhause fielen wir wieder ins Bett. Mein Bruder besorgte uns noch eine Pizza mit viel Hühnchen. Warum man immer Hühner isst bei Erkältungen ist auch ein Rätsel für sich......

Homer hatte schon wieder richtig Hunger. Bei mir war das noch nicht der Fall - ich bekam abends Fieber und lag nur herum.

Am nächsten Vormittag rief mich ein Arzt von der normalen Station an - auch sehr respektvoll und freundlich - er informierte mich über den Zustand meiner Mutter, dass es ihr besser gehen würde - er eine Medikamentenliste zusammengestellt hatte, die wir der Hausärztin meiner Mutter geben sollten, damit sie entsprechende Rezepte ausstellte.

Meine Mutter könnte theoretisch in den nächsten Tagen schon wieder nachhause. Allerdings müsste sich jemand um sie richtig kümmern - sie pflegen und er würde eine Kurzzeitpflege empfehlen. Er hörte mich auch husten und meinte, wir müssten erst einmal unsere Grippe auskurieren.

Nachmittags kam wieder mein Bruder - G. hatte mich schon angerufen, er war schon bei meiner Mutter, ein Sohn von ihm hatte ihn ins Krankenhaus gefahren - und wir nahmen wieder unsere Hustenblocker und fuhren maskiert ins Krankenhaus.

Meine Mutter war nicht in dem Zimmer, welches uns angegeben wurde. Sie wäre mit ihrem Partner im Raucherraum, sagte uns die Schwester.

Da trafen wir meine Mutter mit G. auch an. G. rauchte...Meine Mutter trug das Krankenhaushemdchen und einen Herrenbademantel, den G. ihr von sich mitgebracht hatte. 

Sie war ganz munter und strahlte uns an.

"So schnell werdet ihr mich nicht los. Nicht mit mir. Wir wollen noch ein bisschen zusammen sein, nicht wahr?" G. zog sie an sich und bestätigte das.

Sie wollte uns auch gleich umarmen, was wir aber wegen unserer Grippe nicht zuliessen. 

"Ach, sie würde sich nicht anstecken"....meine Mutter wieder.

Wir besprachen das mit der Kurzzeitpflege, ob sie damit einverstanden war. G. sagte, dass wäre sehr gut in dem Heim, welches zu der betreutem Wohnanlage gehörte. Er wäre da auch schon gewesen... meine Mutter könnte aber auch zu ihm.

Aber er war selbst gebrechlich und das war nicht so eine gute Idee.

Mutti war mit der Kurzzeitpflege einverstanden. Sie kannte das Heim ja. Aß jeden Mittag dort.

Ich rief gleich vom Krankenhaus im Heim an und bekam am nächsten Tag einen Termin.

"Eure Mutter braucht was anzuziehen", sagte G. "Ihre Pantoffeln sind weg".

Ich hatte in der Nacht, als ich zu ihr ging, ihr nur ihre Hausschuhe da gelassen.

Teure Comfort Schuhe....

Wo ich an dieser Stelle JETZT ein bisschen einen auf Influenzerin mache, denn es ist wirklich erwähnenswert, dass die Schuhe von dieser Firma, zwar teuer sind, aber es sich lohnt, das Geld dafür zu bezahlen......die Schuhe sind super bequem und die Verkäufer (auch online) sind supernett, was ja heute selten ist.

Seitdem es in Hannover keinen Ecco-Schuhladen mehr gibt.....den es aber 2017 noch gab....ist das auch meine Adresse, wenn ich neue Schuhe brauche.

Meine Mutter hatte keine Pantoffeln, sondern Hausschuhe, die warm waren und ihr Halt gaben:

 


 

So sahen die aus und die kosteten um die 100 Euro auch 2017 schon. 

Die waren nun weg und auch nicht mehr auffindbar. Was ärgerlich war.......

Mutti hatte jetzt viel zu große Socken  von G. an.

Mein Bruder fuhr gleich los und holte die von mir in der besagten Nacht gepackten Tasche.......Ihre Klamotten, die sie anhatte, als sie ins Krankenhaus kam, waren Gott Sei Dank, alle noch da.......auch die Strassenschuhe. Die bekam ich alle in Plastik verpackt von einer Schwester.

Wir besorgten ihr dann noch Hausschuhe vom neben dem Krankenhaus liegenden Kik und ich bestellte ihr gleich Neue bei Comfort-Schuhe

Am nächsten Morgen fuhren Homer und ich hustend in das Pflegeheim. Mittlerweile waren wir aus der Reiz-Husten-Phase raus, aber die Rotzerei war auch nicht so toll - denke ich, für die Mitmenschen.

Homer blieb im Auto, während ich sehr freundlich und direkt fürsorglich im Büro des Heimes empfangen wurde.  

Ich bekam einen aromatischen Hustentee und natürlich wäre für meine Mutter ein Zimmer frei. Die überschlugen sich fast. Ich war wirklich angenehm überrascht.

In diesem Heim gibt es überwiegend Einzelzimmer mit eigenem Bad. Was ein hoher Standard ist........an sich und dem Preis angemessen. Allerdings, wie ich weiß, sind die Kosten in jedem Heim so hoch, auch wenn man sich das Zimmer mit wildfremden Menschen teilen muss.

Aber hier schien alles ok zu sein.....so sah das Zimmer aus, welches mir gezeigt wurde für meine Mutter: 



 

Es war von der Ausrichtung etwas anders.....und so einen bequemen Sessel gab es auch nicht, aber um den Tisch standen zwei Stühle - auf dem Tisch ein Blumenstrauss...

Ich unterschrieb alles und meine Mutter könnte am nächsten Tag dort einziehen.....für vier Wochen.

Was auch geschah. Das Krankenhaus informierte mich morgens, dass meine Mutter entlassen werden konnte. Ob ich einen Kurzzeitpflegeplatz hätte. Ich bejahte es, sagte dem Heim Bescheid und meine Mutti wurde per Krankenwagen in ihr Zimmer gebracht, welches die letzten Jahre ihres Lebens ihr zuhause werden würde......

Dass sie mit dem Krankenwagen gebracht wurde, hatte versicherungstechnische Gründe. Aber ich hatte ihr am Tag alles zurecht gelegt, ihre Klamotten, Schuhe usw. 

Wir fuhren natürlich auch gleich ins Heim und fanden meine Mutter etwas verwirrt vor.

"Wo ist denn mein Fernseher?" war ihre erste Frage.

Ich erklärte ihr, dass der in ihrer Wohnung war.

"Aber das ist doch meine Wohnung", sagte sie.

Ich erklärte ihr alles noch einmal.

"Nee, ich will hier bleiben", verkündete sie. "Mir gefällt es hier", erklärte sie.

Wir holten ihr den Fernseher, rüber. 

Den Nachmittag waren wir damit beschäftigt, den Fernseher in dem Heim anzuschliessen, denn es brauchte dafür ein besonderes Kabel, welches wir besorgen mussten.

Gegen Abend lagen meine Mutter und G. aneinander gekuschelt, auf dem Pflegebett und guckten zufrieden ihre Vorabend-Serien. Dabei aßen sie Abendbrot, welches ihnen auf's Zimmer gebracht wurde....für G. auch eine Portion.

Sogar wir wurden gefragt.

Was für ein Service, dachte ich. Sogar zwei weitere Stühle wurden gebracht für uns.

Aber diese Behandlung gab es nur für Leute in der Kurzzeit-Pflege.....später als meine Mutter richtige Heimbewohnerin war, wehte ein anderer Wind...........davon später.

Mein Homer war so begeistert, dass er mir abends mitteilte, er würde auch gern in so ein Heim ziehen. 

Später revidierte er diesen Wunsch, als er sah, wie es da wirklich abging.

Auf jeden Fall empfanden wir diese ersten Wochen in diesem Heim für positiv. Wir erholten uns alle wieder etwas.

Für meine Mutter und G. hatte es so was wie einen "Landschulheimcharakter". 

Eines Nachmittags kam ich ins Zimmer....wir klopften immer. Es gab an der Außentür, die aber immer offen war, auch eine Klingel. Da stand das Fenster weit offen.....das Zimmer meiner Mutter war im Parterre und vor dem Zimmer meiner Mutter stand eine Bank .......

Ich dachte ich guck' nicht richtig - G. war dabei aus dem Fenster zu klettern. Und G. war körperlich schon ziemlich "klatterig". Meine Mutti war schon draussen und winkte fröhlich.........

"Ja, ich darf drinnen ja nicht rauchen, hat eine Pflegerin gesagt" , erklärte G.

Ich half ihm erst einmal wieder ins Zimmer.

"Aber da könnt' ihr doch auch außen rum gehen.....was meint' ihr wenn ihr euch was brecht....dann ist wirklich das Ende", schimpfte ich.

Meine Mutter: "Das ist doch so viel einfacher".

 


  

Ja, meine Mutter war noch sehr gelenkig......aber G. mutmaßlich nicht.

Sie mussten mir versprechen, das so nicht mehr zu machen.

Ich brachte das nächste Mal einen Aschenbecher für G. mit, der zwar auf die Fensterbank kam und es wurde verabredet, dass wenn er Schmacht auf eine Zigarette hatte, diese am offenen Fenster rauchen würde.

Ein anderes Problem war es, dass meine Mutter aus versicherungstechnischen Gründen nicht einfach bei G. in der Wohnung übernachten dürfte, wenn ihnen danach war. Sie sollte spätestens um 22.00 Uhr wieder im Heim sein, wenn sie gegenüber in betreutem Wohnen bei ihm war.

Da gab es natürlich Widerspruch.

Wir konnten uns aber mit dem Heim einigen, dass meine Mutter an einem bestimmten Tag - immer Donnerstags - bei G. übernachten dürfte. Das musste ich unterschreiben.

Ich wies die im Heim auch daraufhin, dass meine Mutter nicht dement war und ich zwar die Vollmachten hatte, aber im großen und ganzen, sie selbst entscheiden konnte, was sie wollte. Im Krankenhausbericht stand zwar etwas von Durchblutungsstörungen und manchmal war sie etwas durcheinander. Aber die meiste Zeit war sie klarer als wir alle.

Aber mit dieser Vereinbarung konnten dann alle erst einmal gut leben.

Ihre eigene Wohnung erkannte sie nicht mehr als ihr zuhause an. Die Wohnung, die sie selbst sich so schön eingerichtet hatte.....

 


 

Hier sieht man teilweise etwas davon....das Bild ist leider unscharf geworden....aber die Wohnung war an sich wirklich schön.

Die anderen Bilder zeige ich im nächsten Bericht - wo sie schon fast ausgeräumt ist...

Es war auch nicht möglich sie dazu bewegen dort mal mit rüber zu kommen, um sich z.B. neue Klamotten mit auszusuchen.

Wenn wir es dann doch mal hin bekamen, sagte sie immer zur mir:

 "Kaje, du hast ja eine schöne Wohnung".   

Jedesmal....."Du hast ja eine schöne Wohnung, aber jetzt will ich wieder nachhause..." In ihr Zimmer.

Ich wusste nicht, was ich denken sollte. Meine Mutter war nicht dement, aber wenn es um ihre Wohnung ging, bekam ich manchmal Zweifel.

Sie war sonst völlig klar.  

Sie hatte z.B. ihre die Tageszeitung abbestellt, da ihr das zuviel Papierabfall war in ihrem Zimmer. Zudem brachte G. seine Zeitung jeden morgen mit zu ihr. 

Allerdings liebte sie die Rätsel von Kreuzwort- und alle anderen in dieser Zeitung. Aber G. liebte die auch und der hatte die immer alle schon gelöst.

Also, kaufte ich ihr von Bastei so Rätselhefte, als sie sich darüber beschwerte.

Die verschmähte sie. Die Rätsel waren ihr zu einfach in diesen Heftchen.

Ich selbst hatte auch so eine Rätselleidenschaft und hatte ein Abo für P.M. Logicals. Aber da ich in den letzten Jahren wenig Zeit dafür hatte, lag ein ganzer Stapel mit ungelösten Rätseln von diesen P.M. Heften in meinem Schrank.

 


 

Logicals sind so Rätsel wo Vorgaben gegeben werden und der Rätselrater muss das dann zuordnen. Also z.B.:

Alles für den Gast:

Im 5-Sterne Hotel Luxton Grand arbeiten die Angestellten in Schichten, die zu unterschiedlichen Zeiten beginnen und teilweise unterschiedlich lang sind. Damit morgens nichts schief geht, sieht sich der Hoteldirektor Henrik von Scheffen grade den Plan der kommenden Frühschicht durch:

und dann kommen so Informationen wie:

Der Rezeptionist - nicht Pascal Rupp - wird eine halbe Stunde mehr arbeiten als Daniel Elze usw.....

Und man muss dann zuordnen von den vorgebenen Personen, wann wer in welcher Position von....bis arbeitet.

 


So sehen die Rätsel mit Hilfestellungen durch das Gitter aus, aber es gab auch Rätsel ohne diese Gitter.

Meine Mutter stürzte sich gleich begeistert darauf.......und bei Rätseln, wo ich stundenlang früher brauchte oder sogar tagelang.....löste sie die teilweise innerhalb einer halben Stunde. Rätsel, wie oben abgebildet mit vielen Hilfen, sogar in einer Viertel Stunde. Ohne zu mogeln und hinten nach den Lösungen zu gucken. Ich war ja dabei....

Und für diese Logicals muss man ein gutes Kurzzeitgedächniss haben im Gegensatz zu Kreuzworträtseln - deswegen, dass meine Mutter dement war, glaubte ich nicht - auch wenn andere Leute ihr das diagnostizieren wollten.......

Nur, mit ihrer Wohnung, machte sie solche Äusserungen.....und erkannte sie augenscheinlich nicht als "ihre Wohnung".

Manchmal bei Familien-Feiern veräppelte sie uns auch....indem sie kurz mal raus ging aus dem Raum (auf Klo o.a.) und dann wieder rein kam und sagte:

"Oh, wie schön, ich habe ja Besuch, das ist aber nett", obwohl wir schon Stunden feierten.....

Das war dann so ein Running-Gag.....bei jeder Feier, machten wir das alle auch so....wenn wir vom Klo kamen...und wir wieder in die Räumlichkeiten der Feier zurückkehrten...

 


 

Mitte März 2017 überraschte meine Mutter mich eines Nachmittags mit einem sogenannten "Wie-Plan".

Unsere Familie war seit Jahren - seitdem ich denken kann - "Großmann-Methodiker". Mein Vater war fast sein ganzes Leben (also, seitdem er erwachsen war) in der Großmann-Gilde. Er hielt auch oft Vorträge in der hiesigen Gilde und war mit dem Helfrecht-Institut eng verbunden.

Wenn wir etwas wollten, hiess es immer: "Hast du dafür schon einen "Wie-Plan" gemacht?".

Ein "Wie-Plan" sieht so aus, dass man auf einer Seite den "Minus Zustand" ( - Z) aufschreibt - die Mängel. Dann auf der nächsten Seite den "Plus Zustand" (+ Z) wie es optimal wäre.

Daraus formuliert man ein Ziel.

Und dann gibt es eine Seite, wo man Mittel und Maßnahmen aufschreibt, um dieses Ziel zu erreichen.

Wir hatten alle etliche Formulare dafür. Habe ich im JETZT  noch und nutze die auch bei Entscheidungen - obwohl vom Helfrecht Institut her ist mittlerweile alles digitalisiert.....nur meine Papier- Formulare werden mich noch überleben, mutmaßlich.

Meine Mutter hatte das auf ihre Wohnsituation ganz klar formuliert.

Sie wollte nicht wieder in ihre Wohnung. Sie wollte im Heim bleiben. Das war offensichtlich.

Sie wusste, dass sie noch eine Wohnung hatte, wollte da aber nicht mehr leben. Darum immer dieses "Theater", dass sie sagte, sie würde ihre Wohnung nicht kennen.... 

Für mich war das schwer verständlich. Denn für mich ist Autonomie sehr wichtig.

Aber meine Muttter sah das anders. Ihr gefiel es in dem Heim und dass sie sich um nichts, außer um ihren G. kümmern, musste. 

Sie konnte seit langem wieder richtig gut schlafen, sagte sie.....was u.a. aber auch an dem Anti-Depressivum liegen könnte..., dachte ich, welches sie weiterhin mit ihrer Zustimmung nahm. 

Es war nichts zu machen - meine Mutti wollte in dem Heim bleiben.

Sie war im Gegensatz zu ihrer Mutter - meiner Großmutter - die sich mutmaßlich das Leben nahm, als sie in ein Heim kam (siehe "Das Grab meiner Großmutter" - voller Vertrauen und fühlte sich nicht allein. 

Meine Mutter war ihr Leben lang behütet gewesen...durch ihre Mutter, ihre Großeltern, meinen Vater und jetzt hatte sie UNS - G., meinem Bruder, Homer und mich. Schon vier Personen, die sich um ihr Wohlergehen kümmerten. Wie Pittbulls - jeder auf seine Weise. Das wusste sie genau. 

Darum konnte sie das Risiko eingehen, einen großen Teil ihrer Selbstbestimmtheit aufzugeben und sich fallen zu lassen.

Sie hat dieses Vertrauen ins Leben, auch nie verloren. Sie blühte, wie man auf obigen Bild sieht,  regelrecht nochmal auf ..sah nie aus, wie über 80.....trotz ihrer Herzerkrankung .... sie sah ganz anders aus als mein Vater während seiner letzten Tage.

Meine Mutter hatte viel Glück in ihrem Leben und konnte sehr gut für sich sorgen. Sie war nie völlig allein.

So, kündigten wir schweren Herzen ihre Wohnung ca. Mitte März 2017. Zwei Jahre vor ihrem Tod.

Es war für mich viel schwerer diese Wohnung aufzulösen.....als das Jahr davor, das Haus meiner Eltern.

Es tat richtig weh......denn so viele Sachen, musste ich verkaufen, verschenken oder sogar entmüllen. Das war ein ganzes Leben. Auch mein Leben.

Das nagelneue Bett, welches sich meine Mutter gekauft hatte, bekam Homer. Meine Mutter meinte, da hätte sie nie richtig drin schlafen können......wir dachten Homer bräuchte eine andere Matratze, aber er war happy mit der die da drin war. Mutmaßlich war die Matratze für meine Mutter nicht geeignet gewesen. .....

Auch viele Möbel kamen zu Homer......ein Schrank das Meisterstück meines Urgroßvaters....der Kirschholztisch...

Bei Homer sah' es bald aus, wie früher bei meiner Großmutter, wo ich einen großen Teil meiner Kindheit verbracht hatte.....es roch auch so von den Möbeln her...

Meine Mutter hatte immer klare Linien bevorzugt und da fiel der Stil der Möbel meiner Großmutter gar nicht auf....die Gemütlichkeit, die bei meiner Oma immer herrschte...

Homer, aber stellte sie in seiner Wohnung wieder her.

Wir brauchten auch die ganzen 3 1/2 Monate Kündigungsfrist um alles zu erledigen. Wir arbeiteten Tag und Nacht.......

Zwischendurch - mittags - fuhren wir nach Hause. Homer und ich legten uns dann hin und schliefen immer sofort ein......und danach ging es weiter.

Ja, mit der ME/CFS Brille hatten wir so viel geleistet.........

Emotional....aber auch Körperlich.

Wir hörten während der Arbeiten in Dauerschleife "Horse with no name":

 


 

Das hatte irgendwie eine beruhigende Wirkung........es war unser Lied 2017...es vermittelt es geht weiter.....aber auch das was zurücklag...die Musik...

Wenn ich es JETZT höre, muss ich weinen....... und habe unendliche Sehnsucht nach dieser Zeit.

Mein Bruder half mit - so, weit es ihm möglich war. 

Meine Mutter hielt sich ganz raus. Sie wollte die Wohnung nicht und auch ihre Möbel und viele Sachen nicht mehr. Sie konnte sich aber auch schon immer gut von Dingen trennen. Bei ihr war es nie vollgestellt. Immer alles clean und aufgeräumt.

Ihr ging es meistens gut in diesem Heim - aber WIR empfanden es anders.....schon am nächsten Tag, nachdem der Heimvertrag unterschrieben war.....wurden die zwei Stühle - für Muttis Besuch aus ihrem Zimmer geräumt.......gut, meine Mutter hatte eigene Stühle....aber ich empfand das als aggressiv und lieblos irgendwie... 

 Wie es dann weiter ging - das Heimleben meiner Mutter - welches auch uns betraf - die vielen Probleme, die für UNS entstanden mit dieser Entscheidung, darüber berichte ich im nächsten Beitrag. ....

 

 

"Die halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge!"

Quentin Average in "Die Sünden von Natchez" von Greg Illes 

 


  

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Mein Mausebär und ich...der Anfang

Die ersten Jahre...  

Midlife...  

2017 - Teil 1 

2017 - Teil 2  

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 2018 - Autofahrt durch Hannover  

 2018 - Ausflug Marienburg 

2018 - Balkonien - Im Bärlauchwald - Geburtstagsfeier - Kalle Pe 

2018 - Hildesheim  

2018 - Anti - Zoo - Hannover Besuch

2018 - Ausklang - Endzeitbeginn


2019 - Gisela geht 

2019 - Das Leben geht weiter 

2019 - Jahresausklang 

  

 

 

 

   

 

  




  

 

 

  

  

 

 

 


 

 


 

  

     

  

   

   

  

 

 

   

 

  

 

 

 

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