Mein Bruder
Mein Bruder war der erste Mensch, der nicht zu den Polizisten, Notarzt o.a. die am Tatort rumliefen, gehörte, den ich nach Homers Tod real gegenüber stand. Mit dem ich redete, der mich in den Arm nahm, der zu mir gekommen ist und der da war.
Wenn ich heute daran denke, hatte er mir 2023 das dritte Mal quasi das Leben gerettet.
Ich fuhr von Homers Wohnung mit dem Fahrrad nachhause und ich dachte darüber nach, ob, ich Kabelbinder im Haus hatte. Wie konnte ich Homer folgen? Dabei sah ich immer wieder diese Handschuhe neben Homer liegen. Diese Handschuhe mit Sandeinlage. Während dieser Fahrt über, fragte ich mich wieder und wieder, warum hatte Homer diese Handschuhe an? Welche Funktion hatten sie?
Mein Bruder hatte gesagt, er würde sofort zu mir losfahren.
Mein Bruder, mit dem Homer und ich fast ein Jahr keinen Kontakt hatten, nach einem Streit, wegen diesem ganzen Corona-Impf-Fuck.
Mein Bruder, dessen Familie - meine Eltern ablehnte, der mir fremd geworden war, obwohl wir zwischen 2015 und 2021 uns wieder regelmäßig trafen - bis Corona und eine neue Eiszeit begann.
Mein Bruder, der 1998 jeglichen Kontakt zu uns - meinen Eltern und auch mir - von einem Tag auf dem anderen abbrach.
17 Jahre waren vergangen, als wir uns 2015 einmal am Weisse- Kreuz -Platz in Hannover trafen und stundenlang auf einer Bank sassen und redeten und redeten...
Danach gab' es wieder Telefonate, gegenseitige Besuche und Treffen. Homer und mein Bruder verstanden sich gut.
Ja, da gab' es zwar tiefe Verletzungen, aber ich liebte meinen Bruder und hatte ihn die ganzen Jahre vermisst. Die Jahre vor Corona waren schön und ich genoss unsere Zusammentreffen sehr.
Ich habe unsere Familie, wie sie war, früher immer als selbstverständlich hingenommen. Wir stritten uns mal, aber im Grunde, hielten wir zusammen. Nichts konnte uns auseinanderbringen, glaubte ich.
Bis mein Bruder heiratete.....da war er dann weg. Hatte sich eine neue Familie gesucht. Ich hatte das nie richtig verstanden.
Ich weiss, dass meine Eltern "anders" waren als es üblich war.
Ich hatte irgendwann aufgehört dagegen zu kämpfen.
Das war, als meine Eltern 1992 im Bhagwan-Center mit mir einen Yoga-Kurs mitmachten und mir plötzlich bewusst wurde, wie sehr siw sich bemühten, mich zu verstehen. Ich sah' wie sie Spaß daran fanden, wie sie es genossen. Jahrelang war das eine feste Institution - einmal die Woche Yoga mit Mutti und Vati im Bhagwan Center - egal, was sonst in unserem Leben passierte. Mittwochs, 19.00 Uhr Yoga. Und danach gingen wir immer Muscheln beim Italiener essen...
Als mein Bruder und ich 2015 am Weisse-Kreuz-Platz in Hannover auf dieser Bank sass und wir redeten - nach 17 Jahren Schweigen - erfuhr ich, dass mein Bruder viele Dinge ganz anders wahrgenommen und bewertet hatte, als ich. Das habe ich nicht bemerkt. Er sagte zwar, dass er mir immer "warme Gefühle" gegenüber hatte, aber, weil ich so eng mit unseren Eltern verbunden war, auch den Kontakt zu mir abgebrochen hatte.
Ich war danach geplättet und zweifelte eine Zeit lang an meinen Wahrnehmungen.
2015 da fing ich dann eine Art Therapie deswegen an.
Homer meinte, nachdem er meinen Bruder und meine Schwägerin kennengelernt hatte, dass die Dämonsierungen unserer Familie garantiert von der Schwägerin ausgegangen waren und meine Gefühle "richtig" waren, mein Bruder würde uns im Grunde lieben und ihm würde es mutmaßlich auch nicht supergut mit dem gehen, mit diesem Kontaktabbruch.
Unsere Eltern waren etwas schräg - revolutionär - drauf, aber nicht bösartig o.a.
Leider bekamen - obwohl es wieder zu einer Annährung auch meiner Eltern und meinem Bruder kam - sie nie das Anwesen meines Bruders zu sehen.
Unser Vater war ja schnell wieder "der Böse" für meinen Bruder und seine Familie, weil er grade 2015 fremd ging und sich von unserer Mutter trennte. Das war voll scheisse - und in diesem Blog habe ich ausführlich darüber berichtet, denn diese "Trulla", die meinen Vater dazu gebracht hatte, hatte bei uns allen etwas angerichtet und zerstört - einschl. meinen Vater, den sie ins Grab gebracht hat. Siehe auch: "Grenzüberschreitungen - Eskalationen - Verletzungen - Verluste" und "Versöhnung - Krebs Tod" sowie "Mein Vater".
Aber meine Mutter wurde auch nie eingeladen von meinem Bruder und seiner Schwägerin. Obwohl wir das Auto hatten und sie jederzeit mitbringen hätten können. Denn wir besuchten meinen Bruder öfters. Aber sie wollten das nicht, dass Mutti mitkam. Mein Bruder wohl schon, aber seine Frau blockte das immer ab.
Wir drehten für meine Mutter viele Filme, die sie begeistert mit ihrem neuen Lebensgefährten ansah. Sie lies es sich nicht anmerken, dass es sie verletzte, dass sie nie mitgenommen wurde zu meinen Bruder. Aber ich spürte es ..mit meiner Mutter war ich genauso symbiotisch verbunden, wie mit Homer.
Das Foto für diesen Beitrag, die Bank im Wald - entstand 1969 - in Steinberghaff (Geltinger Bucht) und symbolisiert, mein erstes Bewusstsein dafür, wie wichtig mein Bruder für mich war.
Wir machten an dem Tag mit meiner Mutter den Hunden und den Kindern eine Wanderung, die uns u.a auch in diesem Wald, wo diese Bank war, hinführte.
Wir machten jedes Jahr schon vor meiner Geburt in Steinberghaff Urlaub. Wir hatten ein Ferienhaus auf einem großes Gut, wo der Besitzer die anliegenden Gebäude vermietete. Es waren jedes Jahr, die selben Familien dort, so dass wir immer so ca. 5 bis 10 Kinder waren, und wir waren alle beste Freunde.
Die oben zu sehende Bank hatte ich schon vor unserer Wanderung entdeckt. Sie war mein "Geheimversteck". Eigentlich dürfte ich nicht allein im Wald rumlaufen, aber ich nahm immer unseren Weffi mit, von daher war ich ja nicht wirklich allein.
Ich hatte den anderen Kindern von dieser Bank bei dieser Wanderung erzählt. Besonders mein Bruder war sehr daran interessiert. Um zu dieser Bank zu kommen, musste man kurz über einen Graben springen - sie war wirklich völlig im Wald - abseits aller Wege.
Als wir ungefähr dort angekommen waren, wo die Bank war........fehlte plötzlich mein Bruder.
Wir hatten das erst nicht gemerkt, weil meine Mutter uns die Bäume und Pflanzen erklärte. Meine Mutti war so, wenn sie was sah', dann sagte sie - "Da die Duclusasie" und hatte immer eine Geschichte dazu parat.
Vor meiner Beziehung mit Homer hatte ich einmal eine Freundschaft + mit einem Mann, der genauso wie meine Mutter war, wenn wir spazieren gingen im Wald, erklärte er auch jede Pflanze und erzählte etwas dazu. Ich war wohl nur mit dem eine zeitlang zusammen, weil mich das an meine Kindheit erinnerte..
Auf jeden Fall, war mein Bruder 1969 im Wald bei Steinberghaff, plötzlich verschwunden - ich dachte sofort an meine Bank - sprang über den Graben und lief dahin - aber da war mein Bruder nicht.
Wir riefen und suchten - ich erinnere mich, dass ich fürchterliche Angst bekam und mir bewusst wurde, wie sehr ich meinen Bruder liebte.
Normalerweise brüllte mein Bruder auch immer ganz laut, wenn irgendwas war. Aber nix - kein Mucks.
Unser Weffi lief dann den Weg zurück und bellte an einer Stelle, wo der Graben voller Blumen zugewachsen war und man ihn gar nicht sah.
Und da sass mein Bruder drin. Er hatte sich wohl erst erschreckt und dann irgendwas dort entdeckt, was seine Aufmerksamkeit geweckt hatte, so dass er nicht gebrüllt oder sich bemerkbar gemacht hatte.
Mein kleiner Bruder.....
Wir zogen ihn aus dem Graben und wir weinten vor Erleichterung.
Ich schrieb' über dieses Ereignis einen Aufsatz. Ich war damals in der 2. Klasse - die Klasse hatte grade lesen gelernt. Ich konnte das schon, denn ich hatte es mir mit 5 Jahren selbst beigebracht - dementsprechend konnte ich auch gut schreiben.
Wir hatten die Hausaufgabe diesen Aufsatz über unsere Ferien zu schreiben.
Ich weiss noch, dass mein Klassenlehrer meinen Aufsatz vor der ganzen Klasse vorlas - seine Stimme brach - an der Stelle, wo ich meine Gefühle für meinen Bruder beschrieb - auf jeden Fall wurde ich hochgelobt und es war der beste Aufsatz. Mein erstes schulisches Erfolgserlebnis.....
Nun, 53 Jahre später stand ich meinem Bruder völlig unter Schock gegenüber.
Er war gekommen, als ich in Not war.
Es gab in meinem Leben vorher schon zwei andere Situationen, wo mein Bruder in einer Krise von mir da war und mich quasi rettete.
Das erste Mal - da war ich 15 - da wollte ich das eigentlich nicht, aber es war gut, dass mein Bruder wachsam war. Da bin ich mit jemanden "gegangen", der eine Knarre hatte und auch älter war. Der gab' mit dieser Knarre an und mein Bruder hinderte mich daran, mich mit dem zu treffen. Er schloss meine Zimmertür von außen zu, so dass ich nicht raus konnte und holte meinen Urgroßvater (der wohnte damals nebenan) - meine Eltern waren verreist.
Und mein Urgroßvater verjagte den Typen dann. Der traute sich nicht wieder, mich anzusprechen. Da war ich zwar mit 15 nicht von begeistert, aber ich war mutmaßlich damals in Gefahr. Das war richtig gewesen.
Auch bei einer zweiten Krise in späteren Jahren, war mein Bruder da, bevor ich eine Dummheit begangen hätte.
Am 10.04.2023 klingelte es kurz nachdem ich in meiner Wohnung angekommen war und mein Bruder stand vor Tür. Heute viel größer als ich...
Er kochte erst einmal einen Tee. Er hatte seine Hunde mitgebracht. Dann sassen wir uns gegenüber und ich erzählte,
Je mehr ich berichtete und mein Bruder nachfragte, um so klarer wurde mir, während ich sprach, dass es KEIN Selbstmord gewesen sein konnte.
Homer hatte sich NIE im Leben selbst umgebracht.
DAS musste ich aufklären. Mein Bruder war mit mir einer Meinung.
Er hatte Homer als sehr besonnenen Menschen kennen gelernt, der sich sicherlich NICHT im Affekt und impulsiv plötzlich umbrachte. Und eine Planung eines Suizides gab' es nicht.
Mein Bruder wusste auch, wie eng' meine Beziehung zu Homer war. Er kannte mich ja...
Nachdem wir mehrere Stunden geredet hatten, wollte ich zurück in Homers Wohnung. Es hatte sich bislang niemand bei mir gemeldet.
Ich wollte das auch alles dem KDD sagen, was ich mit meinem Bruder besprochen hatte. Ich rief' die Nummer an, die die mir gegeben hatten. Da meldete sich niemand.......
Das fanden wir schon einmal komisch.
Wir entschlossen uns, mit den Hunden spazieren zu gehen und danach einfach zu Homers Wohnung zu fahren.
Unterwegs rief' ich noch einmal bei der Telefon-Nr. des KDD an. Es meldete sich eine Frau, die von nichts wusste, als ich fragte, ob die Spurensicherung in Homers Wohnung fertig war. Ich gab' ihr das Aktenzeichen, dass auf dem Formular stand - es nannte sich "Tagebuch-Nr." - aber sie wusste von nichts. Sie wäre nur eine Aushilfe und es wären Feiertage - und keiner mehr im Haus.
Vor Mittwoch (es war Ostermontag) würde ich auch keinem erreichen. Ich sollte dann nochmal anrufen, sagte sie, als ich ihr noch Details mitteilen wollte, die mir aufgefallen waren - z.B. dass die Balkonstühle draussen standen und nicht mehr im Keller von Homer waren...
Sie war auch nicht bereit irgendetwas von dem von mir Gesagtem zu notieren und weiterzuleiten.
Mein Bruder und ich fuhren zur Wohnung....wo nix versiegelt war. Nix, deutete auf irgendetwas hin.
Wir gingen in die Wohnung.
Und suchten nach einer Botschaft von Homer - einem Abschiedsbrief oder irgendeinen Hinweis. Es war uns egal, dass wir dadurch etwas in der Wohnung veränderten.
Wir fanden nichts.
Wir fingen dann automatisch an aufzuräumen. War ja jetzt eh' egal. Wie sollte eine Spurensicherung jetzt noch in die Wohnung kommen? Die hatten ja gar keinen Zugang/Schlüssel.
Mein Bruder kam die Woche nach Homers Tod, fast jeden Tag zu mir, stand mir bei und half mir....das letzte Mal am Samstag, den 15.04.2023.
Leider war das dann auch wieder das letzte Mal, dass ich ihn seitdem gesehen habe.
Wir haben zwar regelmäßig telefonischen Kontakt, aber wir kriegen es nicht hin, dass wir uns treffen.
Zu ihm eingeladen werde ich nicht mehr.
Es ist auch gesundheitlich bei mir schwierig. Irgendwie wollen wir immer Essen gehen - nur das Restaurant, wo wir hingehen wollten - da war sonst Homer immer dabei. Das triggert mich und mutmaßlich auch meinen Bruder.
Mein Bruder war damit einverstanden, dass ich ihn als Kontaktperson für meine beim DGHS (Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben) Patientenverfügung einsetze und er ist mit mir einer Meinung, dass der Tod allemal besser ist, als in einem Pflegeheim dahinzusiechen.
Ich wünsche mir sehr, dass mein Bruder und ich es wieder schaffen, uns öfters real wie auch immer zu treffen.
Das Leben ist nicht endlich.....und wir werden beide nicht jünger.
Es war gut, dass er da war, an Homers Todestag.
Das hat mir die Kraft gegeben weiterzumachen und bis JETZT nicht aufzugeben. Und versuchen aufzuklären, was wirklich mit Homer am 10.04.2023 passiert ist.
"Die halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge!"
Quentin Average in "Die Sünden von Natchez" von Greg Illes
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