Konflikte

 


Bisher ging es in diesem dritten Bereichs des Blogs um Außenkonflikte, die Homer und ich mit anderen Menschen, Autoritäten und den gesellschaftlichen Bedingungen hatten.  

In diesem Beitrag möchte ich einen Blick auf die Konflikte werfen, die Homer und ich in unserer Beziehung miteinander hatten. 

Wie ich schon in dem Beitrag Streitpunkte beschieben habe, hatten wir in unserer 16-jährigen Beziehung nur drei große Streits. Die unser "WIR" in dem Moment der Auseinandersetzung instabil werden liess.

Nach allen diesen Streits haben wir uns immer wieder zusammen "gerauft" und keine dieser Auseinandersetzungen gefährdete wirklich unsere Beziehung.

Trotzdem durchzogen diese drei Themen - Verlustangst - Frauen-Männerbild - Verhalten meines Vaters und meine Reaktion darauf - die 16 Jahre unserer Beziehung und bestimmte oft unser Verhalten zueinander und im außen miteinander (gegen den Rest der Welt).

Nach unserem ersten Streit - als Homer noch in Berlin lebte, wir uns noch nicht getroffen hatten, aber ständig in Kontakt waren, er mit einem kaputten Auto (ohne TÜV) sofort und gleich nach Hannover zu mir kommen wollte, ich "Nein" dazu sagte, er das nicht verstand und verletzt war - spürten wir beide eine starke Verlustangst. Als Homer entschied, eine Kontaktpause zu machen, um mich quasi für mein "Nein" zu bestrafen, litten wir beide darunter. 

Er noch mehr als ich. Homer hielt diese Kontaktpause auch nicht aus und hatte mir dann mehrere Nachrichten auf dem AB hinterlassen, den ich nicht abgehört hatte, weil ich nicht damit rechnete, dass er sich melden würde.

Homers Nachrichten waren verzweifelt. Er weinte dabei sogar. Er zeigte sich dabei total. Er zeigte "Schwäche" in seinen Augen. Er zeigte Angst, mich zu verlieren. Er zeigte mir, wieviel ich ihn schon bedeutete.

Mir ging es an dem Tag genauso. Nur bin ich anders damit umgegangen. Bin 5 x zum Baumarkt und zurück gefahren, um Ventilatoren zu kaufen, weil  30° draussen waren und ich unterm Dach wohnte. Die Ventilatoren kaufte ich für Homer, weil er gesagt hatte, dass er hitzeempflindlich war. Ich traute ihm zu, dass er trotz meines "Nein" kommen würde, andrerseits hatte ich an dem Tag ebenfalls große Angst ihn zu verlieren.

Diese Erfahrung liess uns, ab diesem Zeitpunkt sehr vorsichtig miteinander umgehen. Wir vereinbarten Regeln. Nie im Streit auseinander zu gehen und wenn wir wirklich beide sehr sauer auf den anderen waren, so dass wir erst einmal allein sein mussten, wir uns spätestens nach einer Stunde beim anderen zu melden.

Das funktioniere. Bei den beiden anderen Streits, die über mehrere Tage gingen - besonders der wegen meines Vater - meldeten wir uns oft nach 10 Minuten wieder - oft um dann weiter zu streiten.

Aber das Bewusstsein, der Abhängigkeit - das ja mit Verlustangst einher geht - war für Homer eine schwierige Situation. Er war doch der Dominante, unabhängige Mann..und kein "Weichei".

Ich bin mir  sicher, dass sein Anti-Frauen-Buch "Die Steinzeitfrau - damals und heute - eine Reaktion auf die ihn beherrschende Verlustangst war. Um seine Stärke zu demonstrieren nach aussen.

Homer machte auch in unseren ersten Jahren, dass was Narzissten nachgesagt wird, ein extremes Lovebombing. Was ich toll fand und genossen habe. Und um reflektiert zu bleiben, ich machte das auch.

Letztendlich taten wir das bis zum Schluss - vielleicht nicht mehr in dem Maße, wie in den ersten Jahren - aber es war ein spezieller Umgang zwischen uns. Wir versuchten beide den anderen an uns zu fesseln.

Homer noch mehr als ich. Er isolierte mich schon und akzeptierte keine Kontakte meinerseits zu früheren Bekannten von mir. Homer hatte selbst keine Kontakte und hatte auch kein Interesse daran. Er boykottierte  jeden Versuch von mir mit neuen Leuten (einmal einem anderen Pärchen, die wir bei der Tafel immer trafen) näher in Kontakt zu kommen.

Ganz ehrlich, ich fand das nicht schlimm, so wie es immer von aussen und von den "MöchtegernPsychofuzzis" bei YouTube dargestellt wird.

Im Gegenteil, es schmeichelte meinem Ego. Und was wichtiger war, ich war  glücklich mit Homer allein. 

Ich habe allerdings auch gesehen, das bei Homer durch seine Verlustangst, eine gewisse kognitive Dissonanz bestand in seinem Verhalten und Gefühlen. Wer er sein wollte und wer er war.

Unsere Beziehung sicherte er aus diesem Grund total ab. Er forderte - bzw. natürlich "vereinbarten wir das" - dass er immer wusste, wo ich war. Ich meldete mich bei ihm, wenn ich meine Wohnung verliess und wenn ich wieder kam. Wir hatten feste Telefonzeiten. Er hatte immer die Kontrolle.......

Aber ich auch....er meldete sich genauso ab und wieder an. Er rief auf die Sekunde genau an zu unseren Telefonzeiten (16 Jahre lang)  - wo ich oft Schwierigkeiten wegen meines Chaotismus hatte.....aber wenn ich mich nicht meldete, die Zeit vergass....rief er mich an. Das war ok. Er kannte mich und mich hat das nie genervt. Es gab mir Sicherheit. Und ihm auch.  

Seine Mutter hatte ihn als Kleinkind fixiert stundenlang allein gelassen und er hatte Angst - unendliche Angst  (Siehe "Der Lebenslauf meines Partners"). Dieses Gefühl verschwindet nicht einfach so, auch wenn man erwachsen ist. In Triggersituationen war Homer wieder das Kind, das verlassen wurde.

Er hat sich mit seinem Verhalten davor geschützt wieder in diese Angst zu kommen. Er machte genau das Richtige für sich, in dem er diese Regeln erstellte und mich total unter Kontrolle hatte. Damit konnte er sein Gesicht wahren, denn ich war ihm ja ergeben und liess es gerne zu. 

Ich wurde auch innerhalb eines halben Jahres, "sein Mausi". Nicht mehr Arianee, nie Katrin. (Katrin, war ich für niemanden, nur die "Löwefrau", die Nachbarin - darüber schreibe ich noch - begrüsst mich jetzt, wo wir eigentlich nicht mehr miteinander reden, immer wenn sie mich sieht mit einem betonten "Hallo Katrin... ). 

"Ein Mausi" brauchte einen starken Homer. Eine Arianee, seiner Meinung nach, brauchte ihn  nicht. Aber ich war gern sein Mausi. Ich ging blindlings in die Abhängigkeit mit ihm. Das wusste er. Das war sein Ziel und das hielt er aufrecht, da er ebenso von mir abhängig war....

Ein Fakt übrigens, der auch gegen einen mutmaßlichen Suizid spricht. Denn Homer hatte ein großes Veranwortungsbewusstsein. Er hätte "sein Mausi" nicht freiwillig allein gelassen. Er wusste, dass ich - nach 16 Jahren mit ihm - ALLEIN überhaupt nicht klar komme.

Ich liebte ihn und ich verstand das alles, auch wenn ich einen anderen Background hatte als Homer.

Ich konnte mich auf meine Eltern verlassen. Homer staunte oft über mein Vertrauen.

Ich erinnere mich noch, als wir eines Tages mit meinen Eltern mitfuhren zu einer Familienfeier zu meiner Großmutter in Hildesheim. Normalerweise fuhr Homer sehr ungern bei anderen Leuten im Auto mit und wir vermieden es und waren bislang oft mit dem Zug gefahren, weil das damals noch Spass machte....im Gegensatz zu heute und auch vor Homers Tod...

Homer war der Meinung, dass mein Vater katastrophal Auto fuhr. Im Gegensatz zu ihm. Homer war ein guter Autofahrer. Mein Vater aber theoretisch auch.

Allerdings, wenn mein Vater Auto fuhr musste man sich Luis de Funes vorstellen. Jeder der ihn überholte wurde wüst und laut beschimpft und dann lieferte mein Vater sich Autorennen mit anderen Fahrern, zeigte Blitzapparaten den Stinkefinger usw. 

 


 

Nicht ganz so krass, aber annährend....so ähnlich fuhr mein Vater.

Ich war das mein Leben lang so gewohnt.. 

Bei dieser Fahrt von Hildesheim nach Hannover - die Rückfahrt - war ich total müde. Ich sass mit Homer auf dem Rücksitz, meine Mutter sass vorne. Während mein Vater wie üblich alle anderen Autofahrer als Vollpfosten und Schlimmeres beschimpfte und seine üblichen Autorennen veranstaltete, führte meine Mutter neben ihm Monologe darüber, was auf der Feier von verschiedenen Leuten gesagt wurde und dem meine Mutter nun auf der Rückfahrt noch einmal deutlich widersprach.

Homer sagte immer wieder "Hmm .." Ich dachte, er unterhält sich mit meiner Mutter und schlief tief und fest ein.

Als wir in Hannover ankamen, merkte ich schon, Homer war etwas blass. Ich merkte, etwas war nicht in Ordnung. Er wirkte angespannt.

Als wir dann allein bei mir waren sagte er:

"Det war det letzte Mal, det ick bei deinem Vater mitgefahren bin, ne'?"

Ich:

"Ja?" 

Und dann fing er an zu lachen.

"Det hätte man heute mal filmen sollen. Dein Vater brüllt herum, rast viel zu schnell, überholt rechts und deine Mutter widerspricht jedem noch einmal im Monolog, dem sie schon auf der Feier die Meinung gegeigt hat.....(lacht) und das Mausi, schläft tief und fest bei dem ganzen Theater. Dass du so ein Vertrauen zu deinem Vater hast....ich bin tausend Tode gestorben, det war das letzte Mal, nächstes Mal fahre ick"...

Ja, ich kannte das nicht anders. Und das stimmte, ich hatte immer vollstes Vertrauen zu meinem Vater, obwohl er ein Chaot war....aber uns ging es immer gut. Er gewann ja meistens. 

Es gab  bald darauf, ein nächste Mal. Mein Vater hatte eine kleinere OP im Krankenhaus und wollte so schnell wie möglich da wieder raus. Aber er sollte kein Auto fahren. Also, holten wir ihn ab, Homer und ich. Homer fuhr mit dem Auto meines Vaters.

Mein Vater teilte sich das Krankenzimmer mit einem älteren Herren, der völlig aufgeregt war, weil er seine Frau telefonisch nicht erreichte.Schon seit zwei Tagen nicht.

Er bat meinem Vater bei ihm zuhause vorbei zu fahren und nach ihr zu schauen. Mein Vater war immer sehr hilfsbereit. Er war ein warmherziger Mensch. Auch Homer war getriggert von der Geschichte und natürlich wollten wir helfen. Der ältere Herr gab meinen Vater sogar seinen Hausschlüssel. Er wohnte in so einem Kuhdorf in der Nähe.

Wir also dahin. Mein Vater und ich klingelten und uns machte eine ebenfalls aufgeregte Dame auf. Wir erklärten ihr unsere Mission und sie liess uns rein und zeigte uns ihr Telefon, welches an einem Modem angeschlossen war mit Kabeln. Sie war der Meinung, sie hätte irgendeinen Stecker falsch gesteckt.

Mein Vater fing sofort an alle Kabel rauszuziehen und irgendwie wieder reinzustecken. Dabei verursachte er schon um sicher herum das übliche Chaos. Ich war auch gleich voll dabei und wir versuchten alle denkbaren Möglichkeiten.

Nach ca. 10 Minuten kam Homer um nachzusehen, wo wir blieben. Homer plante seine Tage immer genau durch. Und diese Extratour war ja schon nicht vorgesehen.

Er erfasste die Situation mit einem Blick. Uns Chaoten die ein heilloses Durcheinander mit guten Absichten innerhalb von ein paar Minuten angerichtet hatten.

Er steckte alles wieder richtig rein, gab der Frau sein Handy, damit sie ihren Mann anrufen konnte. Da hätte wir auch drauf kommen können.....dann rief er mit meinem Handy bei der Störungsstelle von T-online an (war ein Anschluss von denen) und als die Frau das Telefonat mit ihrem Mann beendet hatte, funktionierte ihr Festnetz wieder. Die hatten das aus der Ferne gleich repariert und so war alles wieder gut.

Das waren Familienanekdoten, die Homer und auch meine Mutter gern erzählten.  Es gab kaum noch Leute, denen sie das erzählen konnten, denn auch meine Eltern hatten wenig soziale Kontakte...

Aber hier im Blog ist dafür Platz.....und ich kann es in ihren Namen aufschreiben, wahrscheinlich nicht halb so witzig wie Homer das erzählen würde, aber so ist es hier verewigt.

Eine weitere Strategie von Homer mit seiner Verlustangst in einer Beziehung gut zu leben - ohne das sie ihn behinderte oder seine Würde beeinträchtigte - war die Sache, dass er mich nicht mehr als eigenständige Person angesehen hat, sondern als ein Teil von ihm. Ich schrieb darüber in meinem Betrag: "Eitelkeiten, Gesundheits-Elitismus und Narzissmus".  

Das ging so weit, dass er mich äusserlich oft gar nicht wahrnahm. Ich war er.....wir waren eine Einheit. 

Ich erinnere mich noch daran, als ich mir Strähnchen bei einem Friseur habe machen lassen habe. Vorher hatte ich einfach dunkle Haare.

Zuhause fotografierte ich das sogar noch mit meiner Kamera und Stativ, weil ich fand dass die das sehr gut gemacht hatten:

 


 

Danach war ich mit Homer verabredet und der hat das nicht wahrgenommen :-)

Ich hatte es dann auch vergessen, weil wir 100 andere Sachen zu erledigen hatten und in action waren.

Erst Stunden später - wir waren beim Chinesen essen - meinte Homer:

"Du siehst richtig gut aus, irgendwie anderes, kann det sein?"

Ich musste lachen, denn da fielen mir meine Haare auch wieder ein.

Ja, so war das....ich hätte in Sack und Asche rumlaufen können, Homer merkte so was nicht. Ich war ein Teil von ihm. 

Für mich war das ok, wir bewegten uns auch oft genauso wie der andere, es hat mich oft fasziniert und ich liebte es. 

Wie ich mich fühle, seit er nicht mehr da körperlich ist schrecklich. Es fühlt sich total falsch an. Alles an mir.

Das ist, wie ich schon in dem anderen Beitrag, schrieb' auch ein ganz starker Fakt dafür,  dass Homer keinen Suizid begangen haben kann, ohne mich.  

Der Konflikt, der durch unseren ersten Streit enstanden ist oder gleich sichtbar wurde - Verlustangst - bestimmte letztendlich auch die beiden anderen richtigen Streits zwischen uns.

Homers Anti-Frauenbuch - "Die Steinzeitfrau, damals und heute", löste bei mir einiges aus. Aber Homer hatte mich zu dem Zeitpunkt schon "verinnerlicht" und ich war "sein Mausi", welches "mann" nicht so ernst nehmen musste. Außerdem war ihm bewusst, dass sowieso, jede Frau allergisch auf sein Buch reagieren würde.

Von daher diskutierten wir damals viel. Ich schmiss auch ein paar Mal den Hörer auf die Gabel, bei Telefongesprächen und Debatten. Aber ich rief nach 10 Minuten meinen Homer wieder an, wie vereinbart. Er war mir nie böse, wegen meiner Worte.

Es tut mir heute so sehr leid tut, dass ich sein Buch kritisiert habe und ihn dafür nicht richtig gewürdigt habe.

Mittlerweile liebe ich sein Buch. Ich lese so viel darin. 

Künstlerische Werke, werden oft erst nach dem Tod des Schriftstellers richtig gewürdigt. Eine Scheisse ist das.

Da mache ich mich oft für fertig. Obwohl ich weiss, dass Homer mir nicht böse war und es JETZT im Jenseits mitbekommt, dass sein Buch immer neben mir liegt und ich mich innerlich und äußerlich vor ihm verneige und ihn bewundere für seinen Scharfsinn.

Der dritte und heftigste Streit zwischen uns, betraf mein Verhältnis zu meinem Vater.

Homer und mein Vater waren 7 Jahre beste Freunde, auch wenn Homer die Art des Autofahrens meines Vaters nicht billigte. Mein Vater war trotzallem Homers einziger bester Freund,  und dann machte mein Vater diesen Schwachsinn mit der Trulla. Ich habe diesem Thema etliche Beiträge in diesem Blog gewidmet. Den Anfang beschrieb ich in "Mein Vater", wo ich auch Filme eingefügt haben, wo man sieht, dass mein Vater und Homer fusioniert haben.

Aber mit dieser Affäre, die mein Vater mit der Trulla anfing, überschritt er bei Homer Grenzen und triggerte ihn. 

Für Homer war Untreue in einer Ehe oder Beziehung ein absolutes No go.

Es wird überall und ständig in den "Narzisstendämonisierungen" bei You Tube darüber gelabert, dass Narzissten keine Empathie hätten, was völliger Unsinn ist, wenn Homer wirklich ein Narzisst gewesen sein sollte.

Homer fühlte total mit meiner Mutter mit. Er identifizierte sich mit ihr und reagierte auf das was mein Vater meiner Mutter an Verletzungen zugefügte, wegen der Trulla, sehr heftig und wütend. Es schlug teilweise in Hass und Verachtung gegen meinen Vater um.

Ja, und das war für mich schwer zu ertragen.

Ich fand es auch mehr als schlimm, was mein Vater tat, aber ich hasste nicht ihn, sondern die Trulla. 

Homer sah das anders. Womit er im Prinzip recht hatte, er sagte, Dein Vater ist für sein Verhalten selbst verantwortlich, egal ob da eine Scheiss-Trulla ankommt oder nicht. Er hätte "nein" sagen können.

Es gab zwischen Homer und mir ab Dezember 2015 wirklich Auseinandersetzungen darüber, die Tage andauerten, wo wir uns zwar immer wieder beim anderen meldeten, aber dann weiter stritten.   

Den Höhepunkt erreichte dieser Streit Ostern 2016, wo Homer diese Feiertage nicht mit mir verbringen wollte. Er sagte, er brauchte, Alleinetage.

Ich widersprach nicht, merkte aber wie mich das verletzte, denn ich hatte schon einen Lindt-Osterhasen für ihn gekauft. Der stand bei mir einsam auf dem Tisch. Homer liebte Lindt-Schokolade.

 

 


Der erste Ostertag ging noch, da ich meine Mutter besuchte, die damals schon mit G. zusammen war.

Aber der zweite Ostertag war der Horror. Draussen Grellsonne. Ich war schon recht früh wach und total unruhig. Homer und ich telefonierten zu der üblichen Telefonzeit vormittags. Ich liess mir nichts anmerken. 

Aus heutiger Sicht, habe ich völlig falsch reagiert, mit meinem beschissenen Stolz.

Ich bekam dann Panikattacken, ging zu den Schafen, dass hatte ich Homer schon bei unserem Telefonat angekündigt. Dort traf ich einen Bekannten, einen Typen mit dem ich manchmal klönte. Ein ehemaliger Opernsänger. Der wollte mich zum Kaffee einladen. Ich war kurz davor dieses Angebot anzunehmen, aber dann dachte ich, wie würde ich mich fühlen, wenn Homer mit einer anderen Frau einen Kaffee trinken gehen würde?

Ich sagte nein und rannte fast nachhause, so unruhig war ich mittlerweile. Zuhause rief ich sofort Homer an, obwohl wir keine Telefonzeit hatten und er mir gesagt hatte, dass er nachmittags pokern wollte - online - da dürfte ich ihn nicht anrufen - eigentlich.

Homer nahm sofort ab und sagte: "Gott sei Dank, dass du anrufst." Dann seufzte er und sagte: "Mausi, weisst Du eigentlich wie unendlich ich dich liebe?" 

Ich sagte noch, "Nicht, so richtig", ich blöde Kuh, weil wir uns ja gestritten hatten.

Aber er hörte gar nicht zu und sagte: "Ohne dich will ich nicht leben. Das könnte ich gar nicht. Kannst du gleich zu mir kommen, bitte, mir geht es gar nicht gut".

Das war der ZWEITE OSTERTAG 2016.........

Ich habe den Goldhasen geschnappt, habe mich auf mein Rad geschwungen und bin zu ihm gerast. 

Wir sind uns in die Arme gefallen. Er hat mich ganz fest gehalten. Auf seinem Tisch bei ihm stand der gleiche Lindt-Goldhase, wie ich in meinem Gepäck hatte....wie jedes Jahr. Das war Tradition.

 

 


 

Ja, das war unser letzter wirklich böser Streit. Danach gab es mal kleine Meinungsverschiedenheiten aber niemals wieder so wie, der Streit wegen meinem Vater.

Heute im JETZT denke ich oft an diesen Tag. Weil es auch der zweite Ostertag war. Es ist möglich, dass Homer an dem Tag für immer gehen wollte. Er war verzweifelt. Ich auch. Es war auch bei uns beide dieses Bewusstsein, wie abhängig wir voneinander waren. 

Darum war das ok. Wir wollten ja zusammen sein.

Nach diesem Tag, stritten wir nicht mehr darüber. Homer akzeptierte, dass ich meinen Vater liebte, auch wenn der den größten Bullshit veranstaltete. Aber das  an mir zu tolerieren war ihm schwer gefallen, da er anders fühlte.

Kurz darauf bekam mein Vater seine Krebsdiagnose. 

Als mein Vater ins Krankenhaus kam, sagte Homer, dass er meinen Vater mit mir besuchen wollte. Seine ganze Wut war verraucht.

Nur dazu kam es nicht mehr.....

Der Tod von meinem Vater, war für Homer nicht einfach. Es wäre gut gewesen, die beiden hätten sich auch noch versöhnen können.

Allerdings muss ich  sagen, dass nach dem Tod meines Vaters, Homers und meine Beziehung eine für uns neue wunderbare Leichtigkeit bekam. Homer wurde entspannter. Er war jetzt quasi unser Familienoberhaupt...

 


 

Ich frage mich heute, ob es einen Zusammenhang dazu gibt zwischen dem zweiten Ostertag 2016 als wir den Höhepunkt unserere Krise hatten und dem zweiten Ostertag 2023.

Aber wir hatten 2023 keinen Streit, keine Konflikt, es gab keine Gefahr, dass wir getrennt würden......warum sollte Homer da freiwillig diese Welt verlassen?

Der zweite Ostertag hatte auch sonst keine besondere Bedeutung für Homer. Ich habe hier alles durchforstet. Das war kein Triggertag für ihn.

Ich sehe keinen Zusammenhang...

 

"Die halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge!"

Quentin Average in "Die Sünden von Natchez" von Greg Illes 

 

 Copyright © Lotta Thiele (lottathiele@gmail.com)
Alle Inhalte dieser Webseite, insbesondere Texte , Fotografien und Filme sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne ausdrückliche schriftliche Zustimmung nicht gestattet.

Bild: wavegeneratics@pixaby

 

 Diesen Blog gibt es jetzt, wie versprochen, auch mit sehr großer Schrift (schwarz auf weissen Hintergrund) mit einem geordneten Inhaltsverzeichnis unter:

 "Mutmaßlich - Protokolle über den Tod meines Partners". 

 

 Unsere LEBENS- und Liebes-Geschichte in Bildern und Filmen findet Ihr im You-Tube-Kanal, meines Partners, den ich nach seinem Willen weiter gestalten werde:


Mein Mausebär und ich...der Anfang

Die ersten Jahre...  

Midlife...  

2017 - Teil 1 

2017 - Teil 2  

2018 - Benthe - Sealife - Zuhause  

 2018 - Autofahrt durch Hannover  

 2018 - Ausflug Marienburg 

2018 - Balkonien - Im Bärlauchwald - Geburtstagsfeier - Kalle Pe 

2018 - Hildesheim  

2018 - Anti - Zoo - Hannover Besuch

2018 - Ausklang - Endzeitbeginn


2019 - Gisela geht 

2019 - Das Leben geht weiter 

2019 - Jahresausklang 

 

 

    

 

     

 

 


 

 

     

 

 

 

 

 

 

 

 

  


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Jenseits Kontakte

Mein Lebenslauf

Sexualität