Eitelkeiten, Gesundheits-Elitismus, Narzissmus...

 




Obwohl Homer und ich NICHT dem gesellschaftlichen Schönheitsidealen entsprochen haben, waren wir ungeheuer eitel.

Kein Spiegel war vor uns sicher, wenn wir unterwegs waren :-)

Wir hatten unseren eigenen Kleidungsstil - wobei das genau genommen - Homers Stil war.

Denn, ich habe in meinem großen Kleiderschrank keine einzige Klamotte, die ich mir je selbst gekauft habe. 

Ich trug schon immer am liebsten nur schwarz, höchstens mal mit weiss kombiniert.

Alle bunten Teile, kaufte meine Mutter für mich oder Homer. Später bekam ich noch die Kleidersäcke von der Trulla (siehe Grenzüberschreitungen - Eskalationen)  dazu.  

 


 

Ungelogen, das einzige, was ich mir in meinem mittlerweile 60-jährigen Leben selbst gekauft habe, sind Slipis und Socken. 

Sogar BHs besorgte meine Mutter für mich. Die ich heute noch trage, da sie nur Qualitätsteile kaufte. Ich weiss nicht mal meine Größe. 

Warum das so ist? Es gibt Bereiche in meinem Leben, wo ich wenig Lust habe erwachsen zu werden. Und ich bekam ja immer Klamotten im Überfluss.... 

Seit Homers Tod trage ich wieder nur noch schwarz.

In den 16 Jahren mit Homer wurde ich bunt - klamottenmäßig. Homer liebte es knallig. Seine Lieblingsfarbe war rot. Mich liebte er in königsblau, pink und lila.

Anfangs gab es bei mir Widerstände.......aber Homer hatte bestimmte Vorstellungen, wie seine Frau auszusehen hatte. Er mochte diesen Klamottenstil z.B. gar nicht:

 


 

Als ich das erste Mal, so bei ihm auftauchte, (wir waren auf eine Feier eingeladen), merkte ich, dass er nicht glücklich war.... 

Eine Woche später ging er für mich einkaufen. Jeans, Leggins, bunte T-Shirts, Karohemden und einen königsblauen Blazer. Zudem weisse Ecco-Schuhe. Also, so wie er auch herum lief.....irgendwie.

Ich wollte nicht, dass er so viel Geld für mich ausgab. Er bestand darauf, wobei ich ihm später alles zurück zahlte....

Er hatte einen sehr guten Geschmack und ich sah, in allen Teilen von ihm gut aus....

Meine Mutter freute sich, mich endlich nicht immer nur in "schwarz-weiss" zu sehen. Sie hatte es nicht geschafft bei mir  - aber mein Homer.....

Das war Homers Kleidungsstil:

 


Boah....wie sehr ich ihn liebe, wenn ich dieses Fotos sehe. Für mich der schönste Mann auf dieser Welt   


 


Ja, wir waren eitel auf unser Art...

Homer mochte es nicht, wenn ich geschminkt war. Er liebte mich in weiten karierten Flanellhemden und Jeans.

Seidenstrümpfe, Kostümchen und hohe Schuhe trugen "Kackstelzen". Die Art Frauen, über die er in seinem Buch "Die Steinzeitfrau damals und heute" gnadenlos herzog.

Und so veränderte ich mich...nach und nach.

 


 

Denn das Wichtigste war für mich, von Homer geliebt zu werden.... 

Und es gefiel mir. Es war bequem, ich war beweglicher. Wir gefielen uns. Wir waren sehr selbstverliebt - beide. Wir fanden uns toll - nicht nur äußerlich. 

 


 

Homer sah mich nicht als eigenständige Person. Ich gehörte ihm. Ich gehörte zu ihm. 

Anfangs irritierte mich das. 

Wenn ich etwas fühlte, sagte er oft, das kann nicht sein, weil er es nicht fühlte. Und wenn er etwas fühlte war es für ihn selbstverständlich, dass es mir auch so erging...

Z.B. hatte ich einmal eine Blasenentzündung mit Schmerzen und das konnte für Homer nicht sein, weil er keine hatte.

Klingt verrückt.

Wir haben deswegen nicht gestritten. Ich versuchte ihn anfangs zu berichtigen. 

Bis ich es verstanden hatte. Es gab keine Grenzen zwischen ihm und mir. Für ihn waren wir eins.

Deswegen, wenn mir jemand etwas antat, das ging  auch gegen ihn und er hegte Rachegefühle - wie gegen die Trulla, wegen dem was die sich mir gegenüber  geleistet hatte.

Bald ging es mir auch so. Wir waren verschmolzen. Er war auch ich und ich war er.

Auch ein Grund, warum die Selbsttötungsthese nicht stimmen kann. Denn er hätte mich nicht am leben gelassen, wenn er sich umgebracht hätte. Denn ich war auch Homer.

Mir ist klar, dass das zum Thema Narzissmus dazu gehört. 

Aber ich betone hier noch einmal, ich habe darunter NIE gelitten. Ich leide unter "Normalos" oder Borderlinern - aber NIE habe ich unter meinem "angeblichen" Narzissten gelitten. Im Gegenteil. Ich war total glücklich mit ihm.

Wobei ich auch hier wieder erwähnen muss, dass meine Mutter auch so war. Für die war ich nie ein eigenständiger Mensch. Ich gehörte zu ihr. 

Erst als Homer kam, liess sie mich etwas los. Aber nur etwas......wobei sehr bald  gehörte Homer dann auch zu ihr. Was er zuliess. Als sie starb, starb für uns beide auch etwas von uns.

Meine Mutter, Homer und auch ich waren zudem "Gesundheits" elitär.....Das bedeutete WIR fühlten uns der ganzen Welt überlegen, so wie wir lebten.

Meine Mutter fühlte sich von jeher gesünder, als der Rest der Menschheit. Nur Demeter, Frischzellen-Therapien (die später verboten wurden, wegen Rinderwahn) es gab immer neue Diäten - mein Vater war auch auf dem Trip.

Ich machte teilweise mit, obwohl ich Blähungen ohne Ende von der angeblich so "guten Vollwerternährung" bekam, die meine Eltern favorisierten.

Als ich mit 18 von zuhause auszog, fing ich damit an darauf zu achten, was mir gut tut und was nicht. Machte Tabellen...

In den USA entdeckte ich die Tortilla-Maischips, die es auch in Deutschland zu kaufen gab.

Bis ich Homer kennen lernte bestand mein täglicher Speiseplan aus:

Morgens Müsli, Mittags einen Teller Salat und Abends Tortilla-Chips mit Dips und den Rest des Salates.

 


Was anderes aß ich nicht. Jahrelang.....

Ich war immer schlank und hatte keine Probleme mehr.

Einmal im Monat ging ich mit einem Bekannten Essen - Fleisch und bei meinen Eltern gab es das auch .....

Aber ich für mich, aß nur das.

Da es mir gut damit ging, fühlte ich mich - genau wie meine Mutter mit ihrer Vollwertkost - der geamten Menschheit überlegen.

Für Homer fing ich mit dem Kochen an. Was Spass machte. Denn einen wunderbaren Mann am Tisch sitzen zu haben, der bei jedem Bissen "hmm ist das lecker" stöhnte, war für mich himmlisch und spornte mich an, immer besser zu werden...

 

 


  

Homer war auch Gesundheits-eilitär, allerdings auf eine andere Art, als meine Mutter und ich.

Er war der Meinung, er hätte mit seinem Geist und seiner Seele, Kontrolle über seinen Körper. Er spaltete seinen Körper ab, wenn er nicht so funktionierte. Das Phänomen war, dass dieses Denken, tatsächlich auch Wirkung zeigte bei Homer.

Von daher aß er, was er wollte, auch Süsskram und es passierte wirklich, dass er abnahm, obwohl er abends eine Tafel Schokolade aß, einfach weil er es seinem Körper irgendwie befahl oder suggerierte.

Natürlich waren meine Eltern von seiner Theorie  begeistert. Standen doch sämtliche Bücher wie "Die universellen Kräfte Ihres Unterbewusstsein" oder Carnegies in ihrem Bücherregal. Bücher, die ich zwar auch gelesen hatte, denen ich aber keinen Glauben schenkte.

Komischerweise Homer aber schon.

Was natürlich dann für ihn schmerzlich war, wenn es mal NICHT funktionierte.  Er nicht von einem höheren Gewicht runter kam o.ä.

Ab 2015 wurde uns das mit dem Histamin bewusst. Alle Podcasts darüber wurden gehört, alle Bücher gelesen. Histaminarm leben, wurde ein Spezialinteresse von Homer und mir. Diese Ernährungsumstellung hat uns beiden sehr gut getan.

Wir fühlten uns natürlich damit auch wieder grandios....und anderen Menschen überlegen:

 


 

Meine Mutter konnten wir davon nicht überzeugen. Sie trank weiterhin schwarzen Tee (der ist nach der Histamindiät schädlicher als Kaffee),  aß Tomaten und Salami und trank Rotwein mit G. Obwohl beide oft nach so einer Mahlzeit anfingen zu schniffen und zu schnupfen. Ein typisches Anzeichen....

Dieser Gesundheits-Elitismus ist - wie ich im JETZT beobachte, wo ich wieder mehr im Internet unterwegs bin - weit verbreitet. Jeder meint, er würde am gesündesten leben.

In dem letztem Jahr - vor Homers Tod - schludderten wir beide, wegen der ganzen Stressfaktoren - Corona, Senegal, Zahnprobleme - beim Essen. Homer nahm wieder zu, was ihn nervte. Wir schafften es beide nicht, mit dem Süsskram aufzuhören. 

Trotzdem fühlte er sich schön. Homer liebte seinen Körper. Ich liebte meinen Körper nur mit Homers Augen......Homer aber war überzeugt von sich.

 


 

Ich liebte ihn, so wie er war, ob dick oder dünn. Das wusste und spürte er.

Wir beide litten darunter alt zu werden und hatten uns ein Limit gesetzt. Sollten wir  unattraktiv werden und gesundheitlich abbauen, dann wollten wir gemeinsam diese Welt verlassen. 

Das hatten wir schon sehr früh während unserer Beziehung - beschlossen. Bis 70 wollten wir leben.......

Homer war erst 62 als er starb. 8 Jahre wären noch mindestens drin gewesen. 

Das Alter von 70 war auch nicht absolut endgültig für uns....80 war auch im Gespräch....wenn wir uns noch fit und schön gefunden hätten ..

Das sind alles Indizien, die gegen einen Suizid - abgesehen von den Fakten, die jetzt aufgetaucht sind (darüber schreibe ich noch) - sprechen.

 

 

"Die halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge!"

Quentin Average in "Die Sünden von Natchez" von Greg Illes 

 

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 Diesen Blog gibt es jetzt, wie versprochen, auch mit sehr großer Schrift (schwarz auf weissen Hintergrund) mit einem geordneten Inhaltsverzeichnis unter:

 "Mutmaßlich - Protokolle über den Tod meines Partners". 

 

 Unsere LEBENS- und Liebes-Geschichte in Bildern und Filmen findet Ihr im You-Tube-Kanal, meines Partners, den ich nach seinem Willen weiter gestalten werde:


Mein Mausebär und ich...der Anfang

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2018 - Benthe - Sealife - Zuhause  

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