Psychosoziale Patientenverfügung

 

 

Normalerweise freue ich mich schon immer ab Mittwochs auf das wochenendliche bloggen. 

Vor mir liegt ein Plan, in welcher Reihenfolge ich diese Art Vermächnis von Homer und mir aufschreibe und oft bin ich Freitag nacht schon fertig mit meinem Beitrag.

Nur, bei diesem Thema "Psychosoziale Patienenverfügung" hakt es. Da ist ein großes Gefühl von Unlust in mir, mich damit zu beschäftigen.

Das ging Homer und mir zu seinen Lebzeiten schon so. Es war immer ein ganz zähes Arbeiten und hat uns seit 2019 den ganzen Sommer die Lebenszeit geraubt.

Was mich, in Anbetracht dessen, was danach kam und wie wenig diese ganzen Verfügungen letztendlich im Ernstfall was gebracht haben, mit einem Zorn erfüllt, gegen die weswegen wir das gemacht haben. Wegen denen wir meinten uns schützen zu müssen. Die sich uns als Gefahr repräsentierten. 

Lebenszeit, die wir hätten geniessen können und Geld welches wir für unseren Lebensgenuss ausgeben hätten können, wurde verschwendet.    

Hier in diesem Blog muss aber dieses Thema grade deswegen einen Platz bekommen.

Es gibt die Möglichkeit Betreuungs- und Vorsorgevollmachten zu erstellen, was durchaus sinnvoll ist in diesen Zeiten. Wenn man einen Partner hat, ist das ein gutes Gefühl. Wenn man ganz allein ist, ist das scheisse. 

Diese Vorsorgevollmachten haben wir schon relativ am Anfang unserer Beziehung verfasst und waren dabei motiviert. Die Vollmachten hinterlegten wir bei der Zentralen Vorsorge der Bundesnotarkammer. 

Wobei es bei denen auch hakte. Denn sie verwechselten unsere Vollmachten und schickten mir quasi eine Urkunde über meine eigenen Vollmachten anstatt die des anderen, was mich wieder aufregte (denn die Hinterlegung kostete nicht wenig Geld für unsere Verhältnisse). Aber Homer reagierte da souveräner und klärte das alles wieder, so das wir dann die richtigen Urkunden zugeschickt bekamen.

Das hatte allerdings wieder etwas am Vertrauen gerüttelt, was man in solche Institutionen haben sollte.

Darum hinterlegten wir alles noch bei einem Anwalt/Notar - als wir auch unsere Patientenverfügung und Psychossozialen Patienenverfügungen fertig erstellt hatten. Wieder für viel Geld. 

Dieser Anwalt hat mich gravierend im Stich gelassen, als es JETZT darum ging, anhand dieser Vorsorge-Vollmachten, die Beerdigung von Homer, so wie er es gewünscht hatte, durchzusetzen. Aber das ist noch ein eigenes Thema.

Zu den Vorsorgevollmachten gehört auch eine Patientenverfügung. Ein Thema bei welchen wir "prokrastinierten".

Wir hatten beide eine Arztphobie und lehnten inversive Eingriffe möglichst ab. Aber ganz im Innersten wünschten wir es uns, Arzten vertrauen zu können und nicht auf solche Patientenverfügungen angewiesen zu sein. Die vielleicht nicht mal eingehalten wurden.

Wobei ich sagen muss, wir hatten bis 2015 tolle Hausärzte, die dann leider in Rente gingen. Die uns gut unterstützt hatten. Danach kamen zwei unsichere Jahre, wo wir immer noch in die alte Praxis gingen, aber keinerlei Unterstützung oder Hilfe bekamen.

Ich entdeckte dann 2017 durch G. (dem Freund meiner Mutter) hier bei uns in der Region eine sehr gute Ärztin, wo ich auch im JETZT noch hingehe und die mir bisher bei vielen Dingen geholfen hat.

Homer ging auch in diese Praxis, wobei für ihn der Weg dorthin, als wir kein Auto mehr hatten, ein Problem war. Mit dem Fahrrad schaffte er es nicht, weil er von seinem Wohnort lange Strecken bergauf fahren musste - im Gegensatz zu mir. Von hier kam auch anders dort hin. Und mit dem Bus musste mein Partner von seinem Wohnort aus 2 x umsteigen.

Das heisst für Homer war es viel mehr Stress und Planung, wenn er dort einen Termin hatte, als es das für mich war.

Aber in diesem Beitrag soll es um Psychiater gehen. Denn die sogenannte "Psychosoziale Patientenverfügung"  soll diesen Bereich abdecken, im Gegensatz zur normalen Patientenverfügung. 

Dass es so was gibt, erfuhren wir erst 2019.

Dass Homer und ich einmal im Quartal einen Psychiater aufsuchten, hatte damit etwas zu tun, dass uns unsere Erwerbsminderungsrente, insbesondere bei Homer, auf seine/unsere psychischen Befindlichkeiten, gewährt wurde.

Da waren die Gutachter leider Psychiater.

D.h. Psychiater waren nicht nur unsere Gutachter, sondern unsere Existenz lag in deren Händen. Sagten sie "nein, die sind gesund", wären wir in das Hartz4-System gekommen, was wir beide niemals verkraftet hätten. 

Sagten die "ja", war unsere Existenz und unser Leben weiter gesichert. Es war also, sehr wichtig mit Psychiatern ein gutes Verhältnis zu pflegen.

Das war für Homer sehr schwer, wie ich in meinem Beitrag "Erste Zusammenfassung" beschrieben hatte. Er hatte einen arroganten Psychiater, der ihm zwar half bei der seiner Rente, was ja schon viel war, der ihn aber ansonsten sehr abwertend behandelte. Was für Homer eine belastende Situation war. 

Er musste sich das gefallen lassen. Musste gute Miene zum bösen Spiel machen. Denn er war abhängig von dem Mann. Er durfte nicht auf den Tisch hauen, wenn der wieder - nach meiner Wahrnehmung - Psychospielchen mit meinem Partner bei seinen Terminen spielte. 

Auch ich musste mich beherrschen, denn ich fühlte alles so wie Homer.

Es war ein Akt enormer Anstrengung für Homer jedes Quartal wieder dahin zu gehen, um seine Rente nicht zu gefährden. Er nahm ja auch anfangs nie die Medikamente, die der Arzt ihm verschrieb. Weil darum ging es Homer nicht. 

Er hätte einen Psychiater gebraucht, mit dem er reden konnte, der ihn ernst nahm, sich für ihn interessierte und nicht die Fehl-Diagnosen anderer Gutachter übernahm....ich berichtete darüber in: Diagnosen, Erkrankungen - Therapien. 

Diese Termine waren deswegen für Homer immer mit Unsicherheit verbunden - nebülös.

 


 

 

Wir alle kennen den Film "Einer flog übers Kuckuckusnest". Das Bild hatten wir zu allem, was mit Psychiatern o.ä. zu tun hatten im Kopf. 

Meine Meinung ist das auch in großen Teilen noch heute stimmig. Es mag Ausnahmen geben, aber Homer hatte diese Ausnahme nicht gefunden.

Es war für Homer eine Wahl zwischen "Pest und Cholera" - mit Psychiatern etwas zu tun zu haben, abhängig von deren "GodWill" zu sein, oder in das für ihn nicht erträgliche Hartz4 zu rutschen.

Ich hatte bis 2019 mehr Glück als Homer. Ich hatte einen Psychiater, der mich begleitete während meiner Erwerbsminderungsrente und bei der Auswahl von Medikamenten, der mich respektierte und richtig wahrnahm, mit meinen Problemen. 

Wenn ich sein Sprechzimmer verliess, ging es mir jedes Mal gut. Obwohl so tiefschürfend waren unsere Gespräche nie. Ich gab' ein kurzes Update und er sagte zwei drei - aber die richtigen Worte - dazu.

Ich hätte es gut gefunden, wenn er Homer auch genommen hätte. Aber er wollte nicht uns beide. So kam Homer zu einem in seiner Praxis arbeitenden Kollegen.

Mutmaßlich hatte aber mein Psychiater, dem die Praxis damals gehörte, viel damit zu tun, dass Homer dann auch reibungslos seine Erwerbsminderungsrente bekam, obwohl der Kollege Homer offen zeigte, dass er ihn als Patienten eigentlich nicht wollte.

Wir nannten meinen Psychiater "Onkel H.".....

Ein paar Mal betreute er Homer auch mit, wenn der Kollege im Urlaub war.

Es gab bei ihm nie lange Wartezeiten, im Gegensatz zu Homers Psychiater. 

"Onkel H." kam immer ins Wartezimmer, holte einen richtig ab. Gab den Menschen die Hand und dann führte er einen in sein Sprechzimmer in dem er seine Arme ausbreitete und sagte: "Kommen Sie rein....dann können Sie raus gucken".  Das sagte er immer. Und ich fühlte mich dabei gut.

Homer ging es auch so. 

Auch schaffte dieser Psychiater für mich eine Mischung von Medikamenten zusammen zu stellen, die mir wirklich halfen. Einmal bei meinen körperlichen Schmerzen und auch bei meinen gelegentlichen Angstzuständen.

Diese Angstzustände nach meinem 2. Trauma, während meines Berufspraktikum, liessen mich überhaupt je zu einem Psychiater gehen. Denn sie behinderten damals mein Leben massiv (Ich schrieb darüber in meinem Beitrag: "Mein Lebenslauf").

Ich suchte mir eine Psychiaterin über das Telefonbuch. Was man nicht machen sollte. Aber 1998 hatte ich nicht mal einen Hausarzt.

Bei meinem ersten Termin verschrieb sie mir, wie damals üblich bei Angstzuständen, Valium. 

Obwohl ich hoffte, dass diese Pillen mich wieder leistungsfähiger machten, ging ich vorsichtig an die Sache ran. Ich achtelte die Tabletten....

Vorsicht bei allen nicht naturheilkundlichen Medikamenten. So hatte ich es mein Leben lang von meiner Mutter gelernt. Das war auch überhaupt mein erstes Mittel, was allopathisch war, das ich in meinem Leben selbst nahm. 

Die Wirkung war nicht angstlösend, aber meine Schmerzen, wie auch immer (Fibromyalgie) gingen weg und damit meine Angst. 

Ich stellte fest, dass ich diese Angstattacken dann bekam, wenn mein Körper nicht funktionierte, ich eben Schmerzen bekam und die Schmerzen bekam ich offenbar darum, weil ich total angespannt war. Die Anspannung wurde durch das Valium gelöst....also, sekundär wirkte es dann doch angstlösend.

Und mir wurde bewusst, dass meine Angst weitgehend mit körperlicher Nichtfunktionalität zu tun hatte und damit wieder Angst vor Ärzten.....

Spannend....

Bei meinem Homer war es später oft auch so. Panikattacken kamen bei ihm auch oft dann, wenn er irgendwelche körperlichen Symptome und sei es nur einen Schnupfen hatte..und die Panik hatte dann etwas mit eventuellen medizinischen Behandlungen zu tun. 

Die Packung Diazepham, die ich damals verschrieben bekam, reichte fast 2 Jahren so wie ich die Pillen zerhackte......

Danach ging ich wieder zu der Ärztin, wollte ihr von meinen Erfahrungen berichten und ein neues Rezept bekommen.

Die erkannte mich gar nicht mehr und verweigerte mir das Rezept über Valium. Fing an mit Sucht, hörte mir gar nicht zu, dass ihre 100 Tabletten, die sie mir letztes Mal verschrieben hatte, 2 Jahre gereicht hatten.

Sie verschrieb mir Amitriptylin, wovon ich schwere Nebenwirkungen bekam (wie Harnverhalt) schon von kleinsten Dosen.

Ich ging gleich 2 Tage später wieder zu ihr -  mit einer Studie wo drin stand, dass man Valium nicht einfach so absetzen darf. Daraufhin wollte sie mir etwas spritzen (kein Valium), worauf ich aufstand und die Flucht ergreifen wollte.

Sie meinte, bei der Einstellung, die ich hätte, könnte sie mir nicht helfen. Sie würde mir noch ein Rezept über Valium verschreiben, aber das wäre das letzte Mal. 

Echt, so sind manche Ärzte......kein Wunder, dass man da eine Phobie hat.

Gott sei Dank, war ich in vielen Selbsthilfe-Gruppen damals - in einer Frauenselbsterfahrungsgruppe, bei EA und den Messies. Hier bekam ich einen Tipp für eine gute Hausärztin und die verschrieb mir gleich noch ein Rezept über Diazepham, nachdem ich ihr meine Geschichte erzählt hatte und überwies mich an eine Psychiaterin am anderen Ende der Stadt, die sich auch mit ADHS auskannte. Denn ich hatte der Ärztin von der Messiegruppe erzählt.

Bei der empfohlenen Psychiaterin war es ganz anders, als bei der ersten....sie war mir zugewandt, hörte mir zu, meinte aber ich hätte eine posttraumatische Belastungsstörung und nicht unbedingt ADHS. Aber wenn ich wollte, könnte sie Tests machen.

Als sie die Geschichte mit dem Valium hörte, verurteilte sie ihre Kollegin, als unverantwortlich und ich bekam ein drittes Rezept.......außerdem verschrieb sie mir Trimipramin Tropfen und was zum schlafen aus der Z.-Reihe.....

Sie empfahl mir erst nur einen Tropfen von dem Antidepressivum zu nehmen und schauen wie es mit damit geht.

Ja, und das war der Hit.......schon nach einem Tropfen Trimipramin spürte ich nach einer halben Stunde die totale Entspannung. So hatte ich mich mein ganzes Leben vorher nicht gefühlt.


 

Ich nahm bald mehr davon. Das andere brauchte ich erst einmal gar nicht mehr.

Ich konnte mit dem Trimipramin plötzlich Sachen essen, die ich vorher nicht vertragen hatte und Kaffee trinken. Den ich liebte, der mir vorher nie bekommen ist.

Das war schon ein Phänomen. Mir muss Serotonin irgendwie gefehlt haben.

Trimipramin wurde "meine Droge". Das nehme nun schon 25 Jahre. Ich wurde dadurch strukturierter, wenn auch meine Leistungsfähigkeit etwas reduziert war. Aber ich brauchte vorher schon mehr Pausen........nach dem zweiten Trauma, Nun, hatte ich viel weniger  Körpersymptome und dadurch kaum noch Angstattacken.

Nach 4 Wochen bei unserem nächsten Termin, wollte ich das der neuen Psychiaterin begeistert berichten.......aber sie war nicht mehr da. 

Sie war nicht mehr auf dieser Welt.

Dafür kam ich zu "Onkel H..", der mir das schonend mitteilte und mir anbot in Zukunft mein Arzt zu sein. Er würde mich unterstützen bei meiner Rente.

Die Psychiaterin hatte einen Fahrradunfall gehabt mit einer schweren Kopfverletzung, die sie pflegebedürftig gemacht hatte. Später erfuhr ich von einer Frau aus meiner Frauengruppe, dass sie daraufhin Selbstmord begangen hatte.

Dass hatte mir "Onkel H.." damals nicht so gesagt, er hatte nur gesagt, dass sie leider verstorben war...

Und das alles innerhalb von 4 Wochen.

Gesund und stark hatte sie mich behandelt und 4 Wochen später Exit....aus, nicht mehr am Leben.

Das war für mich nicht so einfach verkraftbar. 

Aber "Onkel H..."hielt sein Versprechen und er war bis 2019 der beste Psychiater für mich forever.........

Meine Medikation behielten wir bei. Später kam noch Promethazin dazu, als ich einmal eine Rippenprellung hatte und wegen der Schmerzen, die erst später kommen bei einer Prellung, Angst bekam.

Da bin ich  die Treppen zur U-Bahn-Station Kröpke in Hannover runtergefallen, weil ich so doof war und mir supergeile Cowboystiefel bei Deichmann gekauft hatte, anstatt vernünftige Stiefel bei Ecco.......

Homer hatte damals geschimpft, obwohl der die Cowboystiefel auch toll fand....ja, aber damit bin ich diese Treppen runtergesegelt. Die Stiefel habe ich sofort zurück gebracht danach und seitdem wirklich nur noch Ecco........

Ende 2018 ging "Onkel H..." in Rente. Sein gutes Recht, aber mit fatalen Auswirkungen für uns. 

Seine Nachfolgerin ist eine relativ junge Ärztin - jünger als ich es bin. Sie ist klein zierlich sehr hübsch, aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen.

Mein erster Termin war Anfang 2019 - es muss im März gewesen sein - und es war für die Jahreszeit viel zu warm.

Unser Donald (das Auto) war an dem Tag in der Werkstatt und Homer wollte ihn nachmittags abholen. Ich fuhr deswegen mit Öffis zu meinem Termin.

Was erst einmal auffiel ich wartete eine Stunde, bis ich endlich dran kam. Das war bei "Onkel H..." nie so. Er hatte bei meinem letzten Termin bei ihm unserem beim Abschied gesagt, ich sollte mir keine Sorgen machen, es würde alles so bleiben wie bisher.....

Aber schon diese Warterei bei Ärzten ist für mich kaum aushaltbar. Ich kann nicht lange auf harten Stühlen sitzen. Zudem war ich nervös und als ich endlich dran kam, war ich total gestresst. Die Sprechstunde fand auch in einem anderen Zimmer als bei "Onkel H." statt.

Das Gespräch war sehr holperig. Sie wusste offensichtlich nichts von mir. Hatte, wenn es überhaupt eine gab, meine Akte nicht gelesen. 

Als ich ihr dann über meine Probleme, die damals eher körperlich waren, berichtete, fiel sie mir ins Wort und meinte, sie würde dringend empfehlen, dass ich in eine Klinik gehen würde. 

Ich bekam einen Schock. Angstschweiss brach mir aus. Ich war total überrumpelt. Das ist bei direkten Katastrophen auch erst einmal so bei mir, dass ich erstarre, aber wenn dieser Moment vorbei ist, komme ich ins handeln, im Gegensatz zu Homer, bei dem dauerte diese Starre länger.

Sie sprach dann noch darüber, dass sie irgendsoeine Untersuchung mit Elektroden bei mir machen wollte, da sollte ich mir einen Termin geben lassen.

Ich war gänzlich verstummt und wollte nur noch weg.

Sie schrieb mir meine Rezepte, wo ich auch beim Einlösen verwundert war. Es war eine Riesenflasche mit Pipette von dem Promethazin und ein Gebinde von 3 Flaschen Trimipramin. Was das sollte, fragte ich mich auch. Die anderen Medikamente bekam ich in normalen Größen.

Draussen auf der Bank an der Haltestelle bekam ich wieder das große Zittern. Eine Panikattacke erster Güte. Ich löste die Rezepte ein und versorgte mich erst einmal, dann rief ich Homer an.

Auch er war geschockt. Er fuhr gleich los und holte mich mit dem Auto ab.

Wir überlegten was wir machen könnten. Homer mutmaßte sofort, dass sein Psychiater, der ja auch in der Praxis arbeitete, nun noch schlimmer werden würde, wenn meine Psychiaterin nun seine Chefin wäre.

"Onkel H.." hatte uns Hoffnung gegeben und versucht zu helfen. Bei ihm war zmindest meine Arztphobie völlig weg gewesen. Bei Homer war sie bei seinen Terminen noch vorhanden.

Und nun blickten wir in eine Zukunft der Verzweifelung....was unsere Existenz und Abhängigkeit von den Autoritäten anging, die darüber bestimmten.

 


 

 

Unsere Erwerbsunfähigkeitsrente war zwar dauerhaft, aber in dem Moment, wo ich in so eine Klinik gehen und würde ich das gefährden. Zudem ich sowieso NIE in meinem Leben wieder in so eine Klinik gehen würde.

Oder meinte die neue Psychiaterin vielleicht mit Klinik sogar "Psychiatrie"?. Auch diese Untersuchung, die sie machen wollte, kam für mich nicht in Frage und ich sah den Sinn darin nicht.

Homer meinte dann, ich sollte einen Brief - ich nenne die Frau jetzt hier "die neue Psychiaterin" - denn neu ist sie für mich immer noch auch im JETZT nach 7 Jahren.... schreiben und alles erklären, so hatte er das mit seinem Psychiater auch gemacht, der ihm ja auch nie zuhörte und auch schon mit Klinik bei Homer angekommen ist.

Wir schrieben den Brief zusammen.

Aber auch als der abgeschickt war, machten wir uns beide weiter verrückt und malten uns die schrecklichsten Szenarien aus. Uns wurde so richtig bewusst, welche Macht, so Psychiater über uns hatten - mit unseren Diagnosen, die konnten uns wegsperren lassen, wenn ihnen unsere Nase nicht passte oder an unserer Existenz der Rente rütteln.

Wir recherchierten im Internet.....und stiessen dann auf die Seiten von Peter Lehmann, wobei man nicht behaupten konnte, dass uns seine Schriften und Bücher beruhigten, sondern sie bestätigten unsere Besorgnis.

Aber bei Peter Lehmann gab es auch die sogenannte Psychosoziale Patientenverfügung, wo man drin festlegen kann, was man bei einer psychischen Krise nicht will oder will, sollte man weggesperrt werden.

Das Teil ist 20 Seiten lang...  wo man vieles selbst formulieren muss und nicht einfach ankreuzen kann.

 

 

Voll von Paragraphen....

Die perfekte Erstellung so einer Psychosozialen Patientenverfügung war die Sommerbeschäftigung 2019 für uns.

Das machte überhaupt keinen Spass. 

Wir hatten beide keine Lust dazu. Aber die Angst trieb uns an.

Im JETZT denke ich mir, die Mühe hätten wir uns sparen können. Diese 20 Seiten würde sowieso niemand lesen. Eine Garantie oder Sicherheit ist diese Verfügung nicht. Da kann man den Ärzten sonst was drin androhen....

Den Sommer 2019 hätte wir besser geniessen sollen. Es war der Letzte vor Corona und schlimmeren Zeiten......

Wir waren im September 2019 damit fertig. Liessen unsere Verfügungen von einem Rechtsanwalt und von meiner Extherapeutin unterschreiben, dass sie rechtlich gültig ist und wir geistig auf der Höhe waren, als wir sie verfassten.

Ja, und dann trauten wir uns nicht unsere Exemplare unseren Psychiatern vorzulegen..*Ironie on*'...sehr sinnvoll.. *Ironie off*, #.weil wir doch recht harte Drohungen dort  formuliert hatten....wenn...dann...

Aber wir hatten sie bei unseren Terminen immer bei uns.

Der zweite Termin bei der neuen Psychiaterin, der letzte vor 2020 und Corona, fand in der Begleitung von Homer statt, bzw. er hatte sich an dem Tag auch einen Termin bei seinem Psychiater gleich mit geben lassen.

Wir mussten insgesamt fast 2 Stunden warten........kannten die Lebensgeschichten aller Mitwartenden danach..

Die neue Psychiaterin empfing mich bei dem Termin in dem alten Sprechzimmer von "Onkel H....".

Sie eröffnete mir, dass sie das mit dem Schreiben von mir sehr gut finden würde und ich sollte ihr doch jedes Quartal so einen Bericht schicken sollte, dann müsste ich auch keinen persönlichen Termin ausmachen. Nur, wenn ich wirklich Bedarf hätte oder sie Fragen an mich.

Das war ja schon mal positiv...., dachte ich.

Aber, fing sie an, das Mittel zum Schlafen, welches ich in gleichbleibender Dosis r seit 1998 - als schon 21 Jahre, 2019, - nahm, könnte sie mir nicht mehr auf Kassenrezept verschreiben, sondern, wenn ich das weiter nehmen wollte würde, nur noch auf Privatrezept.

Ich war etwas perplex. Aber stimmte zu.

Ein späteres Nachfragen bei der Krankenkasse ergab, dass Ärzte das sehr wohl auf Kassenrezepte verschreiben könnten. Es läge im Ermessen der Ärzte.....

Da das Medikament nicht sehr teuer war, machte ich da keinen Film draus, sondern nahm es hin.........

So, ging das dann weiter bis 2020, wo Corona anfing. Ich schrieb ihr Berichte, hatte auch keinen weiteren Termin mehr. Das Wort "Klinik" fiel nicht mehr, holte meine Rezepte und es beruhigte sich wieder etwas........

Homer hatte sich auch entschlossen, nur noch Rezepte zu holen und wenn möglich keine Gespräche mehr zu führen - insbesondere nach dem Zwischenfall, wo sein Psychiater ihn nicht zurück grüßte, als wir ihm mal außerhalb der Praxis begegneten..... (Siehe meinen Beitrag: Erste Zusammenfassung.

Während der Coronajahre, machten Homers Psychiater und meine Psychiaterin "Telefonsprechstunden". Homer nahm das gar nicht in Anspruch. Wir konnten uns in der Zeit auch die Rezepte einfach zuschicken lassen....eine einzige gute Sache bei Corona.

Aber ich hatte eine Telefonsprechstunde.......an dem Tag war Homer bei mir, weil wir uns sehen wollten. 

Ich hatte 0 Bock auf diese "Telefonsprechstunde", aber um die Beziehung zu der neuen Psychiaterin nicht zu gefährden, machte ich das.

Das war in der Zeit, als es schon mit den Impfungen los ging.

Und ich weiß nicht wie, aber sie - die neue Psychiaterin-  hatte mit dem Impfen angefangen, wie gut und wichtig das wäre - und ich widersprach ihr ohne nachzudenken.

Homer schüttelte noch den Kopf.....denn es war schon die Zeit, wo wir Impfgegner, ständig beschimpft, diskriminiert und diskreditiert wurden.

Der Kommentar meiner neuen Psychiaterin war alles andere als sachlich zu meinen fundierten Ausführung, warum ich diese Impfung oder Genspritzung nicht für gut befand. Sie sagte: "Dann werden sie sterben". Das sagte sie dreimal.

Dann legten wir auf.

Homer lachte auf meinem Sofa....es war kein fröhliches Lachen. Er hatte ja alles mitgehört, ich hatte auf laut gestellt.

"Die ist ja noch schlimmer, als meiner", sagte er. "Ja, wir werden alle sterben....nur zu, werden wa' ja sehen".

Homer ist JETZT tot, aber nicht wegen der Impfung......wenn es mutmaßlicher Suizid war, dann indirekt schon...wegen solcher Äußerungen unserer Mitmenschen und dem Druck, dem wir ausgesetzt waren.....(da gibt es noch ein Extrakapitel drüber).

Nach Homers Tod informierte ich die Praxis darüber.

Ich bekam eine Mail von Homers Psychiater, wo er mir anbot mit ihm zu reden.

Als ich an dem Tag, wo das Gespräch mit ihm stattfinden sollte, in die Praxis kam, fing mich meine neue Psychiaterin ab und wollte mit mir reden. Sie wünschte mir Beileid und dann sagte sie, sie müsste mir noch eine schlechte Nachricht mitteilen.

"Onkel H..." wäre im Oktober 2022 verstorben. Mutmaßlich war es auch Suizid.

Da sass ich nun vor ihr. Völlig im Schockzustand wegen Homer und sie setzte noch einen drauf. Nun gut, ich hätte das sicher auch erfahren und erfahren müssen....aber in dem Moment war das schon krass und kein Homer mehr da, der mich abholte....

Ja, und der Psychiater von Homer, der ja eigentlich mit mir reden wollte, hätte Geburtstag und sie würde mir abraten jetzt das Gespräch mit ihm zu führen....

Völlig geplättet verliess ich die Praxis.........

"Onkel H....."....ja, mutmaßlich die Coronadiktatur oder er war krank oder beides. 

Es gibt Situationen, da ist einfach Schluss, da ist der Suizid der einzige Ausweg. Und mein Psychiater war definitiv NICHT psychisch krank. 

SUIZID IST EIN LEGITIMER WEG UM SELBSTBESTIMMT SEIN LEBEN ZU BEENDEN.

Das ist nicht pathologisch, sondern für eine Vielzahl von Situationen eine vernünftige angemessene Reaktion.

Interessant in diesem Zusammenhang....ist dieser Artikel, den ich JETZT vor ein paar Tagen in der Humanistischen Presse fand. Es geht um ein Halsband mit dem man sich leicht, sanft und schnell umbringen kann. Letztendlich so wie man es meinem Homer unterstellt - die Carotis-Methode....

Nur, wie ich schon öfters erwähnte, wurde Homer nicht mit dem empfohlenen Kabelbinder gefunden (Stärke, Dicke, Länge) und dazu die omninösen Handschuhe, die bei ihm gefunden wurden.....die er angeblich getragen haben sollte.

Ich habe und hatte von Anfang an Zweifel daran, dass mein Homer sich auf so dillettantische Art und Weise das Leben genommen haben sollte......

Aber da gibt es im Vierten Teil des Blogs noch genug Berichte drüber.

Hier schliesse ich damit, dass diese Psychiaterin mittlerweile ein weiteres von mir seit 1998 eingenommenes Medikament nur noch auf Privatrezept verschreibt, die Kommunikation zwischen ihr und mir eine Katastrophe ist, ich aber nicht wechseln will...weil das ist wie die Aufgabe sich eine andere Wohnung zu suchen......ist.

Öfters lasse ich mir meine Medikamente JETZT auch aus Selbstfürsorge, von meiner Hausärztin, die klasse ist, verschreiben, um nicht in diese Psychiater-Praxis zu müssen. Denn es ist so, dass sie mich jetzt immer sehen will, wenn ich ein Rezept hole....d.h. ich muss warten. So ein Termin knockt mich danach zwei Wochen aus....und ich kriege nichts geregelt, bis ich wieder im Lot bin, da alles dort mich triggert...

Berichte bekommt sie nicht mehr. Ich bin ja jetzt auch raus aus der Erwerbsminderungsrente und was soll ich ihr noch schreiben? Besser wird es mir nicht mehr gehen......und "Onkel H..." hat immer gesagt, wenn man Medikamente gefunden hat, die helfen, dann sollte man da nicht mehr dran rütteln. Und das will ich auch nicht.

Unsere Psychosozialen Patientenverfügungen habe ich hier immer noch vorliegen..... unser Sommer 2019......eigentlich der letzte Sommer in "relativer politischer Normalität", der wurde uns durch diese "neue Psychiaterin" kaputt gemacht........durch die Ängste die sie durch ihr Verhalten in uns ausgelöst hatte..

Im nächsten Kapitel wird es dann mit der Corona-Zeit weitergehen...

 

"Die halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge!"

Quentin Average in "Die Sünden von Natchez" von Greg Illes 

 

 Copyright © Lotta Thiele (lottathiele@gmail.com)
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Fotos: Geralt@pixaby.com 

 

Mein Mausebär und ich...der Anfang

Die ersten Jahre...  

Midlife...  

2017 - Teil 1 

2017 - Teil 2  

2018 - Benthe - Sealife - Zuhause  

 2018 - Autofahrt durch Hannover  

 2018 - Ausflug Marienburg 

2018 - Balkonien - Im Bärlauchwald - Geburtstagsfeier - Kalle Pe 

2018 - Hildesheim  

2018 - Anti - Zoo - Hannover Besuch

2018 - Ausklang - Endzeitbeginn


2019 - Gisela geht 

2019 - Das Leben geht weiter 

2019 - Jahresausklang 

 

 

 

 

       

    

 

    

 

    


 

 

 

 

   

 

    

    

 

  

  

   

 

  

 

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