Parkinson, Pokern und Aspergerisches
Homers Vater hatte Parkinson. Er hatte jahrelang damit gelebt und Homer hat den Verfall seines Vaters bei jedem Besuch in Hannover mitbekommen.
Er muss im Winter ein Jahr vor dem Tod im Juli 2006 seiner Mutter gestorben sein. Im Krankenhaus, allein. Homers Mutter hatte sich nicht mehr um ihren Mann gekümmert. Mutmaßlich war sie überfordert.
Homer hatte ihn kurz vor seinem Krankenhausaufenthalt und Tod noch einmal gesehen. Sein Verhältnis zu ihm war sehr schlecht. Er verzieh' seinem Vater genauso wenig wie seiner Mutter, wie er als Kind von ihnen misshandelt wurde. Sein Vater war Homer gegenüber gewalttätig auf eine berechnende Art und Weise. Nicht aus einem Affekt heraus, sondern geplant und gezielt, um Homer zu bestrafen.
Trotzdem besuchte Homer seine Eltern in gewissen Abständen und fuhr von Berlin nach Hannover. Mutmaßlich darum, weil sie seine einzigen sozialen Kontakte waren, nach der Trennung seiner "Zweiten" (Freundin). Homer lebte nach dieser Trennung ein Jahrzehnt total sozial isoliert alleine in Berlin Pankow. Alle Versuche soziale Kontakte zu bekommen, scheiterten, ob real oder virtuell.
Als sein Vater starb, verweigerte seine Mutter, obwohl sie das Geld hatte und beerdigungspflichtig war, die Kosten für die Beerdigung ihres Mannes zu übernehmen. Warum? Homer meinte, die Ehe seiner Eltern wäre alles andere als gut gewesen. Seine Eltern sprachen kaum miteinander. Homers Mutter hatte seinen Vater geheiratet um finanziell versorgt zu sein. Liebe wäre das nie gewesen.
Die Ämter wendeten sich natürlich auch an Homer, der als Sohn ebenfalls beerdigungsberechtigt war. Das war schon die Zeit, als sie aber auf der anderen Seite, Homers Hartz4-Leistungen unberechtigter Weise eingestellt hatten und er von Krediten und dem wenig Ersparten lebte, was er noch besass.
Hier machte Homer den Fehler und nahm einen weiteren Kredit für die Beerdigungskosten seines Vaters auf und liess ihn anonym in Berlin beerdigen. Er hatte zu dem Zeitpunkt einfach keine Kraft mehr zu kämpfen.
Seine Verwandschaft, bestehend aus der Schwester seiner Mutter und deren Kinder, die auch in Berlin lebten, aber ansonsten NULL Interesse an Homer hatten. Alle seine Kontaktversuche zu seinen Cousins wurden ignoriert. Keine Mail jemals beantwortet. Aber als es ums Geld ging, setzten sie Homer zusätzlich zu den Ämtern unter Druck.
Bezeichnenderweise - da schreibe ich noch ausführlich drüber - brachte, der Cousin, der nach Homers Tod zu mir Kontakt aufnahm - den Vorwurf gegen Homer MIR gegenüber, dass Homers Mutter die ganzen Kosten für die Beerdigung ihres Mannes tragen musste und dafür Kredite hätte aufnehmen müssen.......
Da ich Homers Unterlagen über seine Schulden kannte und sowieso ohne "wenn und aber" immer Homer glauben werde, anstatt so einem Hansel, der zufällig der Cousin von Homer ist....man glaubt es kaum..es gibt keine Ähnlichkeiten ...weiss ich dass Homer diese Beerdigungskosten für seinen Vater bezahlt hatte und nicht Homers Mutter.
Hätte Homer mich zu dem Zeitpunkt schon gekannt, hätte ich ihm sicherlich davon abgeraten einen Kredit aufzunehmen in seiner Situation. Er hätte die Kosten der Beerdigung vom Amt erstattet bekommen und vorallendingen hätte seine Mutter in die Pflicht genommen werden müssen.
So, hatte Homer die einsame Beerdigung von seinem Vater, als weitere traumatische Erfahrung für sein Leben verbucht.
Als seine Mutter im Juli 2006 starb, machte er es richtig und schlug die Erbschaft aus und wurde zumindest von den Ämtern nicht mehr behelligt. Allerdings von dieser erwähnten Verwandtschaft, die nun die Kosten tragen mussten, wurde er massiv angegriffen.
Auch das musste ich mir von diesem Cousin anhören, als Vorwurf, dass seine Mutter die Beerdigungskosten für ihre Schwester übernehmen musste, weil Homer sich verweigert hatte.
Er hatte seine Mutter nach der traumatischen Beerdigung seines Vaters NIE wieder besucht und ihre Telefon-Nummer gesperrt. Er war für sie NIE wieder erreichbar.
Er hatte bei seinem letzten Besuch bei seinen Eltern, im Winter 2005, es ein letztes Mal versucht mit seiner Mutter über seine Kindheit zu reden, in der Hoffnung eine Entschuldigung oder zumindest die Anerkennung zu bekommen, dass es ihr leid tat, was sie ihm angetan hatten. Aber er bekam nur Spott und Hohn von ihr....da hatte er diese Entscheidung getroffen, absoluter Kontaktabbruch. Seine Mutter war ab dem Zeitpunkt für ihn schon gestorben - obwohl dann erst sein Vater starb.
Parkinson war seit dem Anbeginn von Homers und meiner Beziehung ein großes Thema. Homer hatte große Angst davor, auch Parkinson zu bekommen, da es ja erwiesenermaßen genetisch vererbbar ist.
Er suchte nach Anzeichen bei ihm. Er war sogar davon überzeugt, dass er diese schon hatte. Es stimmt, dass er eine gewisse Muskelsteifigkeit hatte, was aber auch durch zu wenig Bewegung entstanden sein konnte, vor meiner Zeit, während seiner sozialen Isolation in Berlin.
Er meinte alle Frühwarnzeichen irgendwie zu haben.
Als er nach einer leichten Grippe eine zeitlang keinen Geruchssinn mehr hatte, war er fest davon überzeugt, dass das jetzt wieder ein Warnzeichen war. Der Geruchssin kam aber wieder....
Homer und ich redeten viel über Erkrankungen. Homer beobachtete sich sehr genau und teilte mir jede gesundheitliche Veränderung mit. Er hatte in mir eine sehr aufmerksame Zuhörerin, da mich die Funktionsweisen des menschlichen Körpers, schon immer sehr interessiert haben. Zudem hatte ich oft Lösungen für ein Problem. Homer nahm die Kügelchen ein, die ich für richtig hielt und es wirkte ..... Es ging ihm oft besser.
Ich glaube an anthroposophische Homöopathie ohne "wenn und aber". Ich glaube auch an die klassische Homöopathie. Richtig angewendet, kann sie bei vielem helfen. Abgesehen von Naturheil- und Nahrungsergänzungsmitteln.
Homer vertraute mir mehr als den Ärzten.
Trotzdem Parkinson ist nicht heilbar - nicht mit Homöopathie. Es gibt da nur Mittel zur Symptomlinderung zu der allopathischen Medizin.
Ich habe letzte Woche im JETZT ein Podcast von den "Health Nerds" gehört:
Parkinson: Neue Studie zeigt frühe Anzeichen in unserem Darm
Einen Podcast den ich auch insgesamt empfehlen kann, da hier Gesundheitsthemen nicht nur schulmedizinisch erklärt werden....
Ich glaube nicht mehr an Zufälle und mir ist deswegen klar, der Podcast ist mir nicht umsonst "über den Weg gelaufen" und ich muss dieses Thema in diesem Blog erwähnen.
Denn die Angst vor Parkinson hatte einfach auch viel Raum eingenommen in Homers Leben.
Woran ich mich erinnere ist, dass er im Jahr 2022 zweimal gefallen ist, als er die Treppen bei sich herunter lief. Er nahm seitdem nur noch den Fahrstuhl. Es hatte uns beide beunruhigt. Denn das ist schon ein spätes Anzeichen von Parkinson.
2010 hatte er das Thema Parkinson bei seinem Psychiater angesprochen, der ihm daraufhin zu einem MRT schickte. Hier verweigerte Homer aber das Kontrastmittel und die machten es ohne dem. Es war nichts zu erkennen in seinem Gehirn, was auf Parkinson hinwies, denn auch ohne Kontrastmittel wäre das erkennbar gewesen.
Homer wusste, dass man schwarze Flecken auf der Aufnahme gesehen hätte, wenn er für Parkinson prädestiniert gewesen wäre.
Auch diese Überprüfung hatte Homer aber nie beruhigt.
Im JETZT wurde ich zu den "Heath Nerds" auch in meiner Serie, die ich grade schaue, "Ray Donovan" mit dem Thema Parkinson konfrontiert, denn der Bruder Terry von Ray hat Parkinson:
Der Zustand von Terry verschlechtert sich bis zur 5. Staffel. Homer hatte diese Serie nur bis zur 5. Staffel gesehen - wo Ray übrigens in der letzten Folge Suizid begeht.........
Ich sehe im JETZT die 6 und 7. Staffel. Ray wird gerettet und Terrys Symptome verschwinden durch eine Gehirn-OP, die es wirklich gibt, die aber nicht immer die Kasse übernimmt....in Deutschland. Dabei werden Elektroden tief im Gehirn platziert, die quasi die Aufgaben wieder übernehmen, die das Gehirn nicht mehr leisten kann - Verbindung der Beweglichkeit von allen Körperteilen und Regionen...
2023 waren Parkinson-Symptome kein großes Thema zwischen Homer und mir. Da gab' es viele andere Themen - worüber ich im nächsten Abschnitt, detailliert berichten werde - die Beschreibung der letzten Monate vor Homers Tod ....
Darum kann das kein Grund, für einen mutmaßlich - in diesem Fall wäre es ja nur ein gut durchgeplanten Suizid - gewesen sein. Darüber hätte Homer mit mir gesprochen. Da konnten wir stundenlang drüber reden. Seine Ängste und ob sie begründet waren oder nicht.
Trotzdem halte ich das hier an dieser Stelle fest in diesem Blog.
Ein zweites Thema, was ich noch ansprechen will, bevor ich im nächsten Beitrag wieder eine Zusammenfassung schreiben werde, ist die Tatsache, dass Homer online pokerte.
Das tat er schon, als wir uns kennen lernten. Ich erwähnte es in meinem letzten Beitrag "Konflikte", dass Homer immer feste Termine hatte in der Woche hatte, wo er pokerte und wo er dann nicht gestört werden wollte.
Homer hätte gern auch mit realen Menschen gepokert.
Mir brachte er alles bei und kaufte extra ein Set für uns.
Ich war auch schnell dabei. Allerdings, wir zu zweit konnten nicht pokern. Wir wussten immer sofort wenn einer von uns bluffte. Das war schon witzig. Und Homer konnte wirklich ein Pokerface machen. Aber ich merkte es trotzdem und er bei mir auch, denn ich kann ganz schlecht lügen.
Wir lachten uns am Ende kaputt - nur ernsthaft spielen ging nicht.
Homers Wunsch war immer noch ein anderes Pärchen zu finden, die mit uns spielten. Aber jegliche Kontaktversuche seinerseits mit realen Leuten scheiterte. Er hatte es mit Nachbarn von ihm versucht, einer Frau, deren Freund sie immer besuchte. Die Leute in seinem Haus waren bescheuert und mobbten ihn weitgehend, wie ich es in dem Beitrag "Nachbarschaft" beschrieben habe.
Und das Pärchen, das ich mal bei der Tafel kennen gelernt hatte, hatten keine Lust zu pokern, weswegen Homer diesen Kontakt auch blockierte.
Aber seine Nachbarin und deren Freund - Polen - die Homer mal gefragt hatte, kam einen Tag nach Homers Tod auf mich zu und meinte, dass Homer "ja gespielt hätte" und das manchmal komische Typen im Haus "ein und aus gegangen wären".
Natürlich habe ich die Frau, die festgenagelt und genau danach befragt auch die drauffolgenden Tage, nachdem sie das gesagt hatte. Dabei kam heraus, dass sie nicht wusste, ob die "komischen Typen" Homer besuchten oder sonstwen im Haus.
Wenn "komische Typen" Homer besucht hätten, so hätte ich das zudem auch gewusst. Auch hätte er mir sofort erzählt, wenn er Leute zum pokern gefunden hätte. Dazu hatten wir die Jahre vor seinem Tod Corona.....und da hätte Homer sicherlich keine komische Typen zu sich nachhause eingeladen.
Dazu war er zu sehr - wie auch ich - "Monk". Schon vor Corona.
Diese Frau, wollte übrigens meine Telefon-Nr. haben und gab mir auch ihre. "Ich könnte mich jederzeit melden". Was ich aber nie getan habe......denn sie fing schon ein Tag nach Homers Tod an, mir damit zu kommen: "Das Leben geht weiter"...und so bescheuerte Sprüche. Sie hat sich zudem bei mir auch nie gemeldet.
Was sein Online-Poker-Game anging, so habe ich mich da nach seinem Tod eingeloggt, habe aber nur zugeschaut, ich konnte nicht spielen, das tat zu sehr weh....es ist von der Firma Goodgame die haben alle möglichen Online Spiele und es ist nicht mal sicher, ob man dort gegen echte Menschen spielt oder Bots KI oder wie man das nennt.
Das hatte Homer auch gesagt, aber trotzdem hatte er Spass daran und es war ihm wichtig.
Es ging auch nicht um echtes Geld, also von daher - sein Tod hatte bestimmt nichts damit zu tun, dass er bei Goodgame ab und zu online gepokert hatte.
Zum Abschluss dieses Beitrages möchte ich noch erwähnen, dass das berühmte Forum "Aspie-Treff" vom Netz genommen wurde. Von einem Tag zum anderen ohne Ankündigung. Homer und ich waren dort beide angemeldet. Homer hatte nur gelesen, ich manchmal geschrieben. Wir haben dort so nützliche Informationen bekommen, dass es Noise-Chanceling-Kopfhörer gibt und zumindest vor 10 Jahren, eine private Zusatzkrankenversicherung für ein Einzelzimmer in einem Krankenhaus, für uns leistbar gewesen wäre...heute NICHT mehr.
Ich war 10 Jahre in diesem Forum OHNE dass ich jemals gefeuert wurde. Das ist schon erwähnenswert und dass das JETZT weg ist, empfinde ich als schmerzlich. Obwohl ich keine wirklichen Kontakte dort hatte.
Mir fiel zudem auch wieder ein Buch in die Hände die letzten Tage, welches mich, dazu bringt über das Thema Asperger verstärkt nachdenken zu müssen. Auch das ist kein Zufall. Denn ich sitze ja hier oft und fühle mich total sozial isoliert und merke ich komme einfach nicht mit anderen Menschen zurecht, wenn ich so bin, wie ich bin.
Das Gefühl kenne ich schon mein Leben lang. Ich musste mich immer anpassend verstellen. Was enorm anstrengend war.
16 Jahre mit meinem Homer musste ich das nicht. Der verstand alles, weil er genauso tickte....wie ich. Weil wir uns gefunden hatten, weil wir nun zu zweit waren, uns berühren konnten.....da war ein Gegenüber.
Das Buch heisst: "Heute singe ich mein Leben" von Dawn Prince-Hughes
Die Protagonistin kommt genau, wie wir nicht klar, jahrelang. Ist obdachlos, arbeitet als Stripperin (wie ich), bis sie eines Tages einen Besuch in einem Zoo macht und eine Gruppe Gorillas beobachtet. Die Besucher können sie durch eine Lucke mit Beeren füttern. Es wird geraten, die Beeren dort hinein zu legen und dann die Hand schnell wieder raus zu nehmen. Da die Protagonistin aber - typisch Asperger - die Beeren in der Lucke nach Farben und Formen ordnet, kommt ein Gorilla und legt seine Hand auf ihre.
Erst erschreckt sie, aber dann hält sie ganz still. Der Gorilla auch. Sie schauen sich an und plötzlich erkennt sie, sie ist nicht allein auf der Welt, es wird eine Mauer durchbrochen. Sie fühlt sich mit dem Gorilla verbunden. In dem Buch ist das sehr berührend beschrieben. Ich kann das hier nur auf meine einfache Weise nach erzählen.
Aber mich hat das zutiefst berührt und ich habe weinen müssen.
Die Protagonistin nimmt dann eine Stelle im Zoo an und arbeitet hauptsächlich bei den Gorillas.
Bei Homer und mir war das genauso, als wir uns das erste Mal berührten. Auf dem Bahnsteig, als ich ihn abholte...wobei schon vorher in den Mails, war das so. Da gab' es plötzlich jemanden für uns beide, der einen verstand, egal was wir sagten oder taten. Mauern wurden eingerissen.
Ich kann diese Schutzmauern JETZT nicht mehr aufbauen. Das schaffe ich einfach nicht mehr. Ich trete wieder, in jedes "Fettnäpfchen", was mir von meinen Mitmenschen geboten wird und kann MICH aber nicht mehr schützen, wie früher.
Ich habe auch keinen Bock mehr, auf das Versteckspiel....ich bin so wie ich bin.
Die einzige, die mich offenbar versteht und so nimmt, wie ich bin ist momentan meine Hausärztin. Da habe ich verdammtes Glück und ich hoffe sie praktiziert noch so lange, wie ich zu leben gedenke.
Damit schliesse ich diesen 3. Bereich in diesem Blog und nach der Zusammenfassung, beschreibe ich alles was die letzten Monate vor Homers Tod passiert ist.
"Die halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge!"
Quentin Average in "Die Sünden von Natchez" von Greg Illes
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Diesen Blog gibt es jetzt, wie versprochen, auch mit sehr großer Schrift (schwarz auf weissen Hintergrund) mit einem geordneten Inhaltsverzeichnis unter:
"Mutmaßlich - Protokolle über den Tod meines Partners".
Unsere LEBENS- und Liebes-Geschichte in Bildern und Filmen findet Ihr im You-Tube-Kanal, meines Partners, den ich nach seinem Willen weiter gestalten werde:
Mein Mausebär und ich...der Anfang
2018 - Benthe - Sealife - Zuhause
2018 - Autofahrt durch Hannover
2018 - Balkonien - Im Bärlauchwald - Geburtstagsfeier - Kalle Pe
2018 - Anti - Zoo - Hannover Besuch
2018 - Ausklang - Endzeitbeginn





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